Die Zukunft von Mobile Payments in Deutschland

Veröffentlicht von Meike Boj / 16. Juli 2013 / , / 3 Kommentare

Am 02. Juli 2013 hat das European Payment Council (EPC) zu diesem Thema ein sogenanntes „White Paper“ erlassen. Darin gibt sie einen aktuellen Überblick über die heutigen Modelle der „mobilen Geldbörse“ und über den M-Payment- Markt in Europa. Der Mobile Payment Bereich steckt noch ganz in den Kinderschuhen seiner Entwicklung. Viele Experten sind sich dabei jedoch einig, dass das Erfolgspotential sehr groß ist und sich daraus viel spannende Kundenerlebnisse und neue Geschäftsmodelle generieren lassen.

Dabei habe ich mich gefragt, wie sich vor diesem Hintergrund der Bereiche Mobile Payments in den nächsten Jahren verändern wird.

Das folgende Video liefert einige Ansatzpunkte dazu:

Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich die Studien die Mobile Payment- Marktdurchdringungen prognostizieren. Pew Research berichtet in seiner Umfrage “The Future of Money”, dass bis im Jahr 2020 mobile Zahlungen ganz vom Verbraucher adaptiert werden und das Bargeld ausstirbt. Eine Studie der University of California ergab indies, dass die meisten Amerikaner nicht planen, Mobile Payment-Systeme zu verwenden. Auch eine deutsche Studie des Center for Payment Studies der Steinbeis Hochschule Berlin belegt den ersten Trend: Bis 2020 soll fast jeder zweite Kaufvorgang im deutschen Handel kontaktlos über Funkchips laufen.

Einige Firmen wie Google oder ISIS gehen bereits die richtigen Schritte in diesem Bereich und zeigen dabei, warum Mobile Payment eine bedeutungsvolle Zukunft hat. Doch trotz all dieser Entwicklungen gibt es einige Variablen der Gleichung, die noch offen sind:

  • Das Potential von M-Payments geht weit über die eigentliche Transaktion hinaus
  • „Experience Design“ ist der kritische Erfolgsfaktor
  • Die Art der Implementierung und Durchführung von mobilen Zahlungen wird stark von den Händlern beeinflusst, die durch die neuen mobilen Zahlungsmöglichkeiten versuchen Kunden und deren Loyalität zu gewinnen und dadurch gleichzeitig ihren Kassenbereich zu optimieren
  • Die erheblichen Interessensunterschiede der vielen Akteure, wie Händler, Gerätehersteller, Mobilfunkfirmen und Banken, müssen geklärt werden
  • Alte Gewohnheiten (wir Deutschen lieben Bargeld) müssen überwunden werden
  • Fixe und variable Transaktionskosten
  • Das Thema Sicherheit und Vertrauen spielt eine erhebliche Rolle

Neben dem Vertrauen in unterschiedliche Abrechnungsverfahren und mögliche Marktakteure gibt es eine Vielzahl weiterer Kriterien, die für den Erfolg oder Misserfolg von Mobile Payment ausschlaggebend sind. Eine Studie der KPMG zur Zukunft von M-Payments in Deutschland zeigt deutlich, dass der Sicherheitsgedanke die größte Rolle spielt: 88 % der Befragten geben an, dass die Erfüllung der beiden Anforderungen „Datenschutz“ und „Zahlungssicherheit“ unbedingt notwendig ist, damit sich M-Payment-Anwendungen zukünftig durchsetzen.

Darüber Hinaus zeigt die Untersuchung, dass insbesondere Banken und Sparkassen die entsprechende Expertise als Mobile Payment- Dienstleister zugeschrieben wird und sie das Vertrauen der Befragten genießen. Das unterstreicht auch Carl Tsukahara, Global Head of Marketing der US-Firma Monitise, in seiner Aussage, dass besonders Banken und Paymentanbieter eine dominante Rolle in diesem Business spielen. Es geht um den Nutzen und die Komfort für den Verbraucher sowie um die Fähigkeit, mehr Kunden, höhere Loyalität, verbesserte Effizienz und ein geringeres Risiko der im Zahlungsprozess beteiligten Händler, Banken und Betreiber zu erzielen. Nach Tsukahara würden vor allem jene Unternehmen Marktplayer werden, die es verstehen, dass der wahre Mehrwert von M-Payments für den Kunden gerade in den Features um die Transaktion herum liegt.

Wie könnten diese Services aussehen? In den nächsten 2 Jahren sind folgende Fortschritte möglich:

  • Deals und Angebote: Gezielte, sehr attraktive Angebote werden basierend auf das aktuelle Kaufverhalten und den aktuellen Aufenthaltsort ausgerichtet. So könnte beispielsweise eine zeitgenaue SMS oder ein In-App-Alarm einen Gutschein an den Kunden für sein Lieblingsprodukt verschicken, nachdem das Smartphone das jeweilige Geschäft erkannt hat
  • Digitale Rechnungen und Kontoinformationen werden in Echtzeit übertragen und geben dem Kunden so einen umfassenden Überblick über seine persönlichen Konten und seinen aktuellen Treueprämienstatus
  • Durch die Nähe des Smartphones zum Point of Sale bestätigen Real-time- Alarme dem Kunden den eben getätigten Kauf

Ich freue mich schon heute, auf diese spannenden Möglichkeiten, die Mobile Payments bietet. Dennoch wird es meiner Meinung nach wohl noch einige Zeit dauern. Es gilt, die Zweifel der Verbraucher auszuräumen, sie von den Vorteilen von M-Payments zu überzeugen und sie dazu zu bringen, von vertrauten Bezahlverfahren abzuweichen. Ich wünsche mir, dass Banken aktiv dieses neue Geschäftsfeld mitgestalten und nutzen, da sie das Vertrauen der Kunden ja bereits voll genießen. Da deutsche Verbraucher beim Abrechnungsverfahren eine Prepaidlösung oder eine Abrechnung über einen bereits etablierten Paymentanbieter vorziehen, könnte ich mir hier sehr gut eine Kooperation beider Marktakteure vorstellen, die gemeinsam das Vertrauen der Verbraucher in Mobile Payments steigern und die Akzeptanz erhöhen. Hier bleibt abzuwarten, wie sich die jeweiligen Initiativen weiterentwickeln.

Angesichts der oben beschriebenen zahlreichen Möglichkeiten und technologischen Verfahren ist es meiner Meinung nach sehr sinnvoll, dass die EPC dies aufgreift und einen offenen Dialog und eine Zusammenarbeit mit allen relevanten Akteuren sucht und fördert. So können verschiedene Herausforderungen und Fragen gemeinsam geklärt werden und ein wesentlicher Beitrag zum Erfolg von Mobile Payments in Europa und damit auch in Deutschland geschaffen werden.

 

Kommentare

3 Kommentare

  • 21. August 2013 bei 14:49

    Es ist schon komisch, dass es solche Abweichungen bei diesen Studien gibt. Ich glaube das sich das mobile Payment sich durchsetzten wird.

  • 28. August 2013 bei 17:48

    Hallo VoBa Bühl,

    konnten sie den Antritt der Fiducia in Sachen mobile payment auf der COM 13 verfolgen?

    Hier der Link http://com13.de/

  • fsw
    fsw
    29. August 2013 bei 8:39

    Hallo Herr Zimmermann,

    ja ich habe die Ansätze sehen können. Finde ich sehr gut, dass die FIDUCIA in diesem Bereich verschiedene innovative Sachen ausprobiert.

    VG
    Franz Welter

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