Blackbox Mensch – wie Implantate das Banking verändern könnten

Veröffentlicht von Thomas Hochfeld / 6. August 2013 / Innovationen / 0 Kommentare

In meinem letzten Blogbeitrag ging es unter anderem um die sogenannte Quantified Self Bewegung und den Trend, seinen Körper mit Gadgets und Apps zu überwachen. Bei der Recherche zum Thema eines meiner nächsten Beiträge bin ich über einen Artikel der ZEIT „Revolution in der Medizin – Die Stunde der Bio-Punks“ gestoßen (Quelle: Zeit.de). Während wir uns darüber Gedanken machen, wie wir den Menschen mithilfe von externen Geräten Bankgeschäfte erleichtern können, gehen die Forschungen schon ein ganzes Stück weiter. In diesem Beitrag möchte ich näher darauf eingehen und den Bezug zur Bank herstellen.

Junge Biologen, Programmierer und Computerfreaks haben sich zum Ziel gesetzt, die Menschheit gesünder und damit auch produktiver zu machen. Daher forschen und experimentieren sie unter anderem mit Implantaten, die ihrer Ansicht nach bald jeder Mensch in sich tragen soll. Diese Implantate sollen wichtige Körperfunktionen überwachen. Diese Daten, zum Beispiel Herzfrequenz und Körpertemperatur, werden dann über ein Smartphone direkt zum Hausarzt geschickt und sollen dabei helfen, Krankheiten frühzeitig zu erkennen oder sogar zu verhindern.

Die Firma Intel geht sogar einen Schritt weiter und möchte mit ihren Computersystemen Krankenhäuser überflüssig machen, denn schließlich wären „diese zu teuer“ und man „fange sich Keime ein“, so Intel-Gesundheitschef Eric Dishman. Denn mit den Daten aus den Implantaten, die mit der Zeit auch immer mehr werden, wie zum Beispiel Blutwerten, Hormonwerten und Herzmessungen, könnte man sich auch komplett selber überwachen. Bei Bedarf stünde dann auch ein mobiler Ultraschallstab zur Verfügung, der an das Smartphone angeschlossen werden kann. Man könnte auch mittels Bildschirm den Arzt live dazu schalten, der einem bei der Auswertung und Interpretation der Daten hilft.

Doch wie kann sich eine Bank diese Erkenntnisse zunutze machen? Und welche Vorteile hätte der Kunde?

Bezahlvorgänge in Geschäften, Legitimierungen im Online-Zahlungsverkehr oder Online-Vertragsabschlüsse könnten mit diesen Implantaten abgebildet werden, sofern die Eindeutigkeit bzw. genaue Zuordnung bestimmt werden kann. Im Gegensatz zu einem Fingerabdruck, der leicht zu reproduzieren ist, ist dabei auch garantiert, dass der Verfügungsberechtigte wirklich (lebend) anwesend ist. Schließlich werden ja seine Vitaldaten ständig überwacht. In Verbindung mit einer PIN wäre somit ein sicherer Vorgang gewährleistet. Gerade die Gesundheitsdaten, die das Implantat überwacht, könnten auch für eine Versicherung sehr interessant sein. Beiträge könnten variabel anhand des Gesundheitszustandes angepasst werden, somit würde man Menschen, die einen gesunden Lebensstil pflegen, belohnen. Je nach Fähigkeit der Chips, könnten Krankheiten früh diagnostiziert und behandelt werden. Dies würde wiederum einer Versicherung helfen, die Lebenserwartung des Versicherten besser abschätzen bzw. errechnen zu können und dessen Risikobeitrag zu kalkulieren. Rentenversicherungen, Berufsunfähigkeitsversicherungen etc. könnten aufgrund dieser Daten genau auf den Kunden abgestimmt werden.
Im Bereich der Kfz-Versicherung, wo schon seit längerem der Einsatz einer „Blackbox“ im Auto diskutiert wird, um Unfälle besser aufklären zu können, könnte eine „Blackbox“ im Körper des Menschen der Versicherung gute Aufschlüsse über eine etwaige Schuldfrage geben. War der Fahrer übermüdet, alkoholisiert oder stand er unter dem Einfluss von Drogen?

Doch warum sollten die Menschen in Zeiten von PRISM und Tempora bereit sein, noch mehr Daten von sich selber preiszugeben? Ein implantierter Chip hätte sicherlich auch viele Vorteile für die Menschen selbst. Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen Herzinfarkt und wären alleine in der Wohnung. Anhand der Werte würde automatisiert der Notarzt verständigt. Gleiches gilt bei einem Unfall. Ein großes „Lockmittel“ könnte auch für viele sein, dass es durch den Einsatz eines solchen Implantates finanzielle Vorteile gibt, wie eben reduzierte Versicherungsbeiträge. Auch würde ein solcher implantierter Chip den Abschluss von rechtsverbindlichen Geschäften im Internet wesentlich erleichtern. Wo heute noch die „Hürde“ eines Post-Ident Verfahrens manchem Geschäft im Wege steht, würde die Legitimation einfach von zu Hause aus erfolgen. Schnell und sicher. Gerade dies könnte aber den Konkurrenzdruck der Versicherungen und Banken noch weiter verstärken und kleinen Lokalbanken dadurch schaden und vor allem neue „Mitbewerber“ aus dem Medizin- und Technologiebereich auf den Markt bringen. Gerade auch Unternehmen wie Google, Facebook und Co. werden daran interessiert sein, weitere Daten „zu sammeln“.
Gerade deshalb darf man auch nicht die großen Nachteile und Gefahren für den Menschen außer Acht lassen. Will ich Dritten überhaupt so sensible Daten zur Verfügung stellen? Was passiert mit meinen Daten? Kann mein Implantat „gehackt“ und missbraucht werden? Dies sind nur sehr wenige kritische Fragen, die gestellt werden müssten.

Inwieweit es realistisch ist, dass die Menschen in naher Zukunft dafür bereit sein werden, lässt sich heute noch nicht seriös abschätzen. Jedoch geben die Menschen in den letzten Jahren im Internet immer mehr von sich preis und die Bereitschaft dazu steigt trotz Warnungen der Datenschützer stetig weiter, so dass das Szenario nicht einfach als Science-Fiction abgetan werden kann. Aber offen und ehrlich gesagt, erzeugt die Vorstellung bei mir ein sehr „mulmiges“ Gefühl.

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