Der digitale Reifegrad der Banken

Veröffentlicht von Franz Sebastian Welter / 23. Oktober 2013 / , / 0 Kommentare

Vor einiger Zeit habe ich angekündigt, in Zukunft häufiger über das Thema der digitalen Transformation zu bloggen. Ich sehe darin eine der größten Herausforderungen für Banken. Insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen (Finanzkrise, wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Regulatorische Anforderungen usw.). Um so spannender, sich Gedanken über den digitalen Reifegrad der eigenen Bank zu machen und Überlegungen aufzustellen, wie ein solcher digitaler Reifegrad beeinflusst werden kann. In diesem Zusammenhang bin ich über eine spannende Studie mit überraschendem Ergebnis gestolpert…

Die besagte Studie stammt von Capgemeni Consulting und trägt den Titel „The Digital Advantage: How Digital Leaders Outperform their Peers in Every Industry„. In dieser Studie wird ein Modell aufgestellt, anhand dessen auf den digitalen Reifegrad eines Unternehmens geschlossen werden soll. Diesem Modell zufolge wird der digitale Reifegrad eines Unternehmens vor allem durch zwei Dimensionen beeinflusst: der Digital Intensity und der Transformation Management Intensity.

Die Digital Intensity umfasst auf Technologie basierende Maßnahmen und Investments an der Schnittstelle zwischen Kunde und Unternehmen, innerhalb des Unternehmens oder digitale Veränderungen am Geschäftsmodell. Als Beispiele werden z.B. die Kommunikation über Social Media oder mobile Commerce aufgeführt. Aber auch Enterprise 2.0 Plattformen dürften der Definition zufolge in diese Kategorie fallen.

Die zweite Dimension – Transformation Management Intensity – basiert vor allem auf der Führungsfähigkeit die digitale Transformation des Unternehmens lenken. Dazu gehört zum Beispiel die Fähigkeit, eine klare digitale Vision für das Unternehmen zu definieren und die notwendigen Veränderungen zu initiieren. Als weitere Beispiele werden z.B. die Entwicklung der Unternehmenskultur oder die Entwicklung neuer Fähigkeiten im Unternehmen genannt. Aus diesen 2 Dimensionen ergeben sich die 4 folgenden unterschiedliche Typen der digitalen Reife. Bildschirmfoto 2013-10-21 um 19.55.36Quelle: Capgemini Consulting, The Digital Advantage: How Digital Leaders Outperform their Peers in Every Industry

Digital Beginners stehen am Anfang ihrer digitalen Reise. Sie können zwar eine gewisse Reife mit traditionellen IT-Systemen (ERP Systeme oder dem Web 1.0) vorweisen, haben aber noch wenig mit sehr modernen und innovativen Technologien am Hut. Sie sind sich wahrscheinlich auch gar nicht im Klaren darüber, welche Chancen ihnen entgehen und falls einzelne digitale Maßnahmen ergriffen werden, dann meist ohne strategischen Ansatz oder ein gut organisiertes Change Management.

Im Gegensatz dazu haben die Digital Fashionistas eine Menge Erfahrung mit vielen sexy und modernen Applikationen und Technologien gesammelt. Einige davon sind wertvoll, andere nicht. Eines haben sie jedoch gemein: sie sind nicht integriert in eine ganzheitliche Strategie. Digital Fashionistas sind zwar motiviert die digitale Transformation anzugehen, ihnen fehlt jedoch das Wissen dazu, wie der Nutzen für das Unternehmen durch die digitale Transformation gesteigert werden kann.

Diesen strategischen Reifegrad haben die Digital Conservatives. Sie bevorzugen konservative Effizienz vor Innovation. Sie verstehen die Notwendigkeit für eine klare Vision, Governance und Unternehmenskultur als wichtige Rahmenbedingungen für gutes Management. Jedoch stehen sie digitalen Innovationen kritisch gegenüber und laufen daher Gefahr, die eine oder andere wertvolle Chance zu verpassen.

Zu guter letzt, die Digirati. Sie verstehen, wie wirtschaftlicher Erfolg und digitale Transformation in Einklang gebracht werden können. Sie vereinen eine transformierende Vision, eine stringente Strategie und passende Kultur mit ausreichend Investments in neue Möglichkeiten. Sie entwickeln eine digitale Kultur, können zukünftige Entwicklungen frühzeitig antizipieren und entsprechende Maßnahmen ableiten. Durch ihre Investitionspolitik und sorgfältige Koordination der digitalen Initiativen, bauen sie ihren digitalen Wettbewerbsvorteil kontinuierlich aus.

In der besagten Studie wurden über 400 Unternehmen untersucht. Sehr spannend sind die Aussagen hinsichtlich der Auswirkungen des digitalen Reifegrads auf die Profitabilität der Unternehmen (siehe folgende Grafik).

Bildschirmfoto 2013-10-22 um 09.18.00

 Quelle: Capgemini Consulting, The Digital Advantage: How Digital Leaders Outperform their Peers in Every Industry

Auch andere Studien – z.b. diese Studie von McKinsey zum Einsatz von Web 2.0 in Unternehmen – kommen zu ganz ähnlichen Ergebnissen. Die Fähigkeit zur digitalen Transformation wird anscheinend zur Kernkompetenz und zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Und wie schneiden Banken der Studie zufolge ab? Sehen Sie selbst…

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Quelle: Capgemini Consulting, The Digital Advantage: How Digital Leaders Outperform their Peers in Every Industry

Hätten Sie den digitalen Reifegrad genauso eingeschätzt? Machen wir die Probe aufs Exempel. Beteiligen Sie sich an folgender Umfrage und schätzen Sie den digitalen Reifegrad der Banken in Deutschland:  http://twtpoll.com/6qfi1g8btkyfbau

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