Verrät unsere Mimik, mit welchen Finanzthemen wir uns am ehesten identifizieren?

Veröffentlicht von Madlen Lorenz / 25. Oktober 2013 / , , , / 0 Kommentare

Stellen Sie sich vor, es gäbe anhand Ihrer Gesichtsausdrücke die Möglichkeit, zu erkennen, welche Finanzprodukte zu Ihnen passen. Dies aber nicht etwa in einem persönlichen Gespräch, sondern anhand einer eingebauten Kamera im PC in Verbindung mit einer Gesichtserkennungssoftware. Klingt absurd? Ist es aber nicht! Den Beweis tritt erstmals die „Bank of New Zealand“ an. Das Kreditinstitut benutzt die ausgeklügelte Gesichtserkennungssoftware „EmotionScan“, um seinen Onlinekunden das richtige Finanzprodukt näher zu bringen. „EmotionScan“ wurde von der „Bank of New Zealand“ in Kooperation mit dem Psychologen Dr. Stuart Carr und einer Schweizer Firma entwickelt.

Der Psychologieprofessor Dr. Carr von der Universität Massey ist überzeugt, dass Gefühle und Regungen eine wesentliche Rolle bei der Entscheidungsfindung für Finanzprodukte spielen. Während früher eine eher rationale Herangehensweise zielführend war, zeigen aktuelle Studien, dass sich hier ein grundsätzlicher Wandel vollziehen könnte. Mittels „EmotionScan“ werden die emotionalen Regungen nahezu perfekt genutzt, um im Onlinebereich nachhaltig an bestimmte Finanzthemen herangeführt zu werden. Anhand von Audiotexten, die den Onlinekunden vorgespielt werden, wird deren Mimik ausgewertet und mit vordefinierten Finanzprodukten verknüpft. Bisher werden 8 verschiedene Produktbereiche zugrunde gelegt. Diese sind beispielsweise Haushaltsrechnung, Altersvorsorge, Verbindlichkeiten, Spenden oder Sparanlagen. Primäres Ziel ist, jene finanziellen Bereiche herauszukristallisieren, denen die individuell größte Bedeutung beigemessen wird.

“Mittlerweile weiß man, dass gerade einmal 9 % der Kunden fest daran glauben, selbst kompetent genug zu sein, um ihre Finanzen selbst zu managen. Insbesondere deshalb sollte ein Weg aufgezeigt werden, um nachhaltig beurteilen zu können, auf welchen Finanzbereich der Fokus gelegt werden sollte“, so BNZ Chief Marketing Officer, Craig Herbison.

Wenn es gelingt, Menschen so an ihre gewünschten Finanzthemen heranzuführen, dann wäre das eine interessante und spannende Möglichkeit, sich mehr mit dem Thema Geld zu identifizieren. Ursprünglich wurde „EmotionScan“ für die Konsumforschung entwickelt, um Reaktionen auf Werbung und neue Produktideen zu erforschen. Erst im Nachgang wurde der Gedanke weiterentwickelt, es auch auf die Finanzdienstleistungsbranche zu übertragen. Durch das Ermöglichen gezielterer Beratungen auf Basis bekannter Affinitäten entsteht ein Mehrwert.

Persönlich stehe ich dem Projekt aber kritisch gegenüber. Einerseits sehe ich eine hervorragende Möglichkeit anhand der Software die gezeigten Emotionen für die Auswahl der richtigen Finanzthemen zu nutzen. Andererseits ist jedoch fraglich, ob die Software in der Lage ist, immer die richtigen Finanzthemen zu verknüpfen. Wir alle wissen, dass es auch Tage gibt an denen aufgrund externer Einflüsse eventuell falsche Schlussfolgerungen gezogen werden können. Schafft es eine „Maschine“, mich so individuell zu bewerten, wie ich mich gerade fühle und was zu meiner aktuellen Situation passt? Dies scheint mir unrealistisch. Wenn es jedoch möglich ist, eine perfekte Ergänzung zu erreichen, dann wäre das ein Mehrwert für den Kunde und die Bank gleichermaßen. Darüber hinaus bin ich überzeugt, dass „EmotionScan“ nicht für jede Kundengruppe geeignet ist. Insbesondere auf junge und onlineaffine Kunden würde ich das Hauptaugenmerk legen. Gerade für diese Kundengruppe besteht darin eine spannende Möglichkeit, sie für das Thema Finanzen zu sensibilisieren. „EmotionScan“ in Verbindung mit einer abgestimmten finalen persönlichen Beratung – face to face – scheint mir der Schlüssel zum Erfolg. Denn Menschen lernen von Menschen.

 

Kommentare

Keine Kommentare

Nachricht hinterlassen

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar zu hinterlassen.