Spannung, Spiel und Spaß – das Überraschungsei der finanziellen Bildung

Veröffentlicht von Meike Boj / 20. Januar 2014 / , / 3 Kommentare

„Bringst Du mir etwas mit? Was Spannendes, was zum Spielen. Und Schokolade!“ Da werden süße Kindheitserinnerungen wach. Mit Spannung, Spiel und Spaß das Thema Finanzen zu erkunden hat sich PlayMoolah vorgenommen. Seit kurzem offeriert der Anbieter von Financial-Education-Onlinegames seinen Usern mit der mobilen App „WhyMoolah“ eine Mischung aus „Spiel des Lebens“ und „Ohne Moos nix los“.

Aus meiner Sicht ist dabei sehr spannend, dass WhyMoolah über sechs Monate lang in Zusammenarbeit mit Singapurs DBS Bank entwickelt wurde. Während das erste Onlinespiel PlayMooalh eigens für Kinder designed wurde (ich berichtete in meinem Blogbeitrag in 2011 darüber), richtet sich WhyMoolah jetzt speziell an die Zielgruppe „Junge Erwachsene“.

Die jungen Erwachsenen erleben, erforschen und entdecken in der Simulation verschiedenen Phasen des Lebens und lernen so, was ihre finanziellen Entscheidungen bedeuten und wie sie sich auswirken. Wie schon bei PlayMoolah habe ich auch dieses neue Spiel getestet. Meiner Meinung nach schafft es WhyMoolah sehr gut, die Simulationen im Spiel wirklich eng an die des „realen Lebens“ in Singapur zu knüpfen. Viele Details wie Elterngeld, Steuern, Haushaltsausgaben, Kreditkarten, Kosten für eine Hochzeit oder für einen Hauskauf sind im Spiel enthalten. In der WhyMoolahwelt geht es neben den großen finanziellen Entscheidungen auch um die alltäglichen Ausgaben und Herausforderungen im Umgang mit Geld. So erhalten die Spieler während des Spielverlaufs immer wieder Tipps zum persönlichen Finanzmanagement, zu Budgetausgleichen oder zu versteckten Kosten bei großen Anschaffungen.

Die App kommt dabei genau zum richtigen Zeitpunkt, da viele junge Singapurer über Finanzthemen nicht ausreichend informiert sind und sich über ihre eigene finanzielle Situation nicht im Klaren sind (laut der Studie Moneysense). Irgendwie kommt einem das doch bekannt vor, oder? 😉 Deutschland und Singapur liegen zwar tausende Kilometer auseinander, sind sich aber in dieser Hinsicht sehr ähnlich. Auch einige Studien aus Deutschland belegen, dass finanzielle Bildung Not tut. So z.B. der SCHUFA Kompass 2013, die ING DiBa Studie 2013 oder die MetallRente Studie 2013. Glaubt man dem Schuldneratlas, den die Auskunftei Creditreform jedes Jahr herausbringt, hat sich die Zahl der Schuldner unter 20 seit 2004 mehr als vervierfacht. Keine andere Altersgruppe zeigt einen derart hohen Anstieg. Jeder Achte unter den 18- bis 20-Jährigen ist nicht in der Lage, seine laufenden Kosten zu decken. 22 % machen sich häufig Sorgen um das Thema Geld und 78 % wünschen sich mehr Bildung in Schulen. Jugendliche informieren sich Rund ums Thema Finanzen übrigens zuerst im Internet (84 %) und dann bei den Eltern (74 %).

Wie könnte die finanzielle Bildung in Deutschland verbessert werden? Mehr Unterricht in Schulen? Mehr Aufklärung in der Freizeit? Die größeren Programme bzw. Initiativen in Deutschland beleuchtet die Evaluation finanzwirtschaftlicher Bildungsangebote der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Prof. Dr. Michael-Burkhard Piorkowsky zieht folgende Schlussfolgerung:

„Es gibt ein insgesamt umfangreiches Angebot an finanzwirtschaftlichen Bildungsmaßnahmen von gesellschaftlichen Akteuren… Hauptzielgruppe sind Jugendliche, die vor allem durch Broschüren und Projekte in den Schulen und an anderen Lernorten, z.B. in Beratungsstellen, erreicht werden sollen. … fast immer steht nur die Information des Anbieters oder Trägers der Bildungsmaßnahme zur Verfügung, also z.B. eine Broschüre oder ein Materialordner. Eine Teilnahme und Mitwirkung an den Maßnahmen ist in der Regel nicht möglich“

Und genau hier liegt meiner Meinung nach der springende Punkt. Mitwirken, ausprobieren, erleben und Erfahrungen sammeln sind die elementaren Voraussetzungen für den nachhaltigen Lernerfolg. Spannung, Spaß und Spiel, das kennen wir ja noch von unserer Kindheit. Gaming ist da genau das Richtige! Gaming macht großen Spaß. Aber Gaming ist nicht nur ein spaßiger Zeitvertreib. Gaming ist Lernen! Gaming ist Bildungsförderung! Im Spiel liegt das Ziel klar vor Augen (hole x Mario Superpunkte, spare für Deine Weltreise), denen man sich Stück für Stück mit gestuften Herausforderungen nähert (Spiellevels, von kleinen Sparzielen bis zur großen Weltreise oder der komplexen Altersvorsorge). Und man scheitert auch mal. Für mich der wichtigste Lernerfolg, weil man dadurch Schlüsse zieht, wie man beim nächsten Anlauf dieselbe Situation mit Erfolg meistert und so sein Ziel erreicht. Ich teile daher die Meinung von Audrey Tan, CEO und Mitbegründer von PlayMoolah voll und ganz:

„Auf dem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit durchläuft jeder verschiedene Lern- und Erfahrungsphasen und WhyMoolah hilft dabei. Wir wollen allen zeigen, dass fundierte finanzielle Entscheidungen nicht schwierig sind und so auch offene und sinnvolle Gespräche mit der Familie und Freunden anregen.“

Meine Anforderungen zu diesem Thema sind klar: Es sollte insbesondere angestrebt werden, die Angebote zur finanziellen Bildung für Jugendliche und junge Erwachsene

  • mit Spannung, Spiel und Spaß durch den Gamificationansatz anzureichern
  • an den Kontext der wirtschaftlichen (Preise, Steuern, Einkommen) und sozialen (Demografie, Einkommen und Vermögen, Alter- und Alterssicherung ) Gegebenheiten in Deutschland anzupassen
  • insbesondere an den Lebensphasen auszurichten (Berufsstart, Karriere, Hochzeit, Eigentumserwerb, etc.)
  • alters- und milieuspezifisch zu differenzieren
  • auch bei gering ausgeprägtem Wort-, Schrift- und Zahlenverständnis zu platzieren

Im Übrigen plant PlayMoolah für 2014 sein Modell auch in anderen Industrienationen auf den Markt zu bringen.

Kommentare

3 Kommentare

  • 21. Januar 2014 bei 16:49

    Schöner Beitrag und toller Ansatz zur finanziellen Bildung. Vielleicht ist ja beim easyCredit-Preis für Finanzielle Bildung auch bald ein Gamification-Projekt dabei?

    Mehr Infos zum Preis und den Projekten gibt’s hier: http://www.finanzielle-bildung-foerdern.de

  • 24. Januar 2014 bei 16:43

    Sehr gut zusammengestellter Beitrag!
    Wahrscheinlich liegt eines der Probleme darin, dass „Computerspiele“ in Deutschland noch nicht als ernsthaftes Kulturgut akzeptiert sind.
    Dabei bieten sich Spiele mit Simulationscharakter perfekt an, um Konzepte wie Zinsen und Zinseszinsen zu vermitteln.

    Und nicht nur für Kinder, auch für die zunehmende Anzahl Erwachsener am Rande der Privatinsolvenz …

    Viele Grüße,
    Elmar Borgmeier

  • 11. Februar 2014 bei 16:52

    Solche Games können durchaus Ihren Anteil bei der finanziellen Bildung haben. Denn gerade die „mobile Generation“ liebt die kurzweilige Unterhaltung. Und wenn man dort noch etwas für die Bildung tun kann, warum nicht? Auf alle Fälle sollte es mehr solche Spiele geben, als stupide Games wie Flappy Bird, bei denen noch nicht mal Denkanreize gesetzt werden.

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