Mobile Payment made in Schwarzwald – Interview mit Dipl. Ing. Ulrich M. Kipper

Veröffentlicht von Thomas Hochfeld / 13. Februar 2014 / , , , / 0 Kommentare

Regelmäßige Leser unseres Blogs wissen, dass wir schon mehrere Beiträge dem Thema „Mobile Payment“ gewidmet haben. Leider war davon vieles noch Zukunftsmusik oder wird bisher nur in anderen Ländern eingesetzt. Deshalb freut es uns nun um so mehr, dass die IT-Werke Lahr nach meinem letzten Blog-Beitrag zu diesem Thema auf uns zugekommen sind, um aus der Praxis zu berichten. Darüber hinaus hat sich der Geschäftsführer Herr Dipl. Ing. Ulrich M. Kipper zu einem Interview bereit erklärt.

1.) Welche Lösungen bieten Sie im Bereich Mobile Payment an?

Ulrich-Kipper-Go4Q

Die von uns angebotene Lösung heißt GO4Q und stellt eine ganze Infrastruktur für mobile business und mobile commerce dar. Hierzu haben wir die beiden Apps GO4Q (für Kunden) und QTerminal (für Händler) entwickelt. Mit GO4Q lassen sich bequem und sicher mobile Zahlungen tätigen, es kann mobil bestellt werden (Window-Shopping), der Coupon oder Gutschein kommt digital aufs Handy, genauso das Ticket. Punkte können gesammelt werden usw. GO4Q ist nicht begrenzt sondern wir entwickeln laufend weiter. Unsere neueste Funktion, „QSounds“ macht sogar Radio sichtbar. Hierzu werden digitale Informationen verschlüsselt mit dem Radiostream übertragen – so gelangen Fotos, Videos, Texte, aber auch ganze Produkte, Coupons, Tickets oder Gutscheine, einfach durchs Zuhören im Radio aufs Handy. Das gibt dem Radio- und TV-Marketing ganz neue Möglichkeiten und neue Geschäftsfelder.

2.) Was unterscheidet Ihre Lösung von denen Ihrer Mitbewerber?

Die Vielfalt an Aufgaben, die damit erledigt werden können. GO4Q zeigt, dass Smartphones heute schon viel mehr können als von den meisten angenommen. Bezahlen ist da nur eine Funktion. Darüber hinaus bieten wir viele Möglichkeiten, die dem Nutzer zeigen: „Wow, mein Handy kann ja noch mehr! Damit kann ich es für (fast) alles nutzen“.

Dadurch, dass wir auf QR-Codes setzen, d.h. alle unsere Informationen verschlüsselt über die schwarz-weissen Blockbildchen übertragen werden, benötigen wir keinerlei Zusatzhardware. Das ist insbesondere für Klein- und Mittelständische Betriebe von Vorteil, brauchten sie doch bislang für NFC-Payment oder das neue Beacon/BLE-Verfahren immer teure Hardware.

Was jedoch, wenn dafür kein Budget zur Verfügung steht? So war der Mittelstand praktisch ausgeschlossen und die Durchgängigkeit, die für den Verbraucher zentrales Akzeptanzkriterium ist, blieb auf der Strecke.. Mit GO4Q steht jedem alles offen. Man braucht sowohl als Kunde, als auch als Händler, lediglich ein Smartphone mit eingebauter Kamera. Keine Initialkosten, keine Standbykosten, die Apps sind kostenlos. Das Verfahren ist sicher, weil auf den Phones keine sensiblen Daten gespeichert werden. Durch unsere über 10-jährige Erfahrung mit biometrischen Zahlverfahren haben wir patentierte und zertifizierte Mechanismen und Systeme entwickelt, die Missbrauch zuverlässig ausschließen. Das macht die Handyzahlung genauso sicher, wie jede EC-Kartenzahlung. Mit dem Riesenvorteil, dass wir keinerlei persönliche Information auf dem Handy speichern müssen, und alles im Hintergrund abläuft. Damit sind die gängigen Phising oder Skimming Angriffe ausgeschlossen.

3.)  Welche Hürden gibt es oder warum kommt Mobile Payments nur schleppend in Gang?

Die Hürde ist vor allen Dingen, dass mit mobile Payment kein Problem gelöst wird – Kunden haben heute bereits genügend Möglichkeiten, an der Kasse oder im Webshop ihr Geld loszuwerden. Daher besteht kein Leidensdruck und darum rührt sich auch der Handel nicht. Für Endverbraucher ist es ein Nice-to-have, aber kein MUST-HAVE. Viele in der Branche (und im Handel), sehen „Mobile“ aber immer noch nur als das: einfach eine zusätzliche Zahlart. Aus diesem Grund kommt auch NFC seit über 10 Jahren nicht recht in Gang – denn ob ich eine Karte jetzt ins Terminal stecke oder darüber halte, macht für den Kunden keinen Unterschied.

4.) Wie sehen Sie die Zukunft des Mobile Payments?

Das spannende an „Mobile“ ist aber nicht das Bezahlen! Vielmehr ist es der stets erreichbare, und mit Aktionen wie Couponings, Rabatten, Sammelaktionen, etc. ständig positiv erreichbare Kunde. Wir haben heute mit Smartphones einen Kommunikations- und Vertriebskanal, von dem man vor 20 Jahren nur träumen konnte. Das Beste daran: Die Kunden tragen den Kanal bereitwillig den ganzen Tag mit sich herum. Jetzt zu erkennen, mit welchen Mehrwerten erreiche ich den Kunden, seien es Gutscheine, Social Couponing, P2P Payment – oder am Ende doch Mobile Payment – das ist die große Herausforderung in der Branche. Ich meine, hier herrscht an vielen Stellen noch ein recht antiquiertes Denken in allzu gewohnten Bahnen.

Die Zukunft des Mobile Payments muss und wird bestimmt sein durch die erlebbare Durchgängigkeit für den Kunden. Ich kann nur in 2-3 Läden bezahlen? Vergessen Sie’s. Ich brauche zig verschiedene Apps für unterschiedliche Händler? Vergessen Sie’s. Ich brauche 15 Apps, davon 3 für meine Gutscheine und weitere 4 für meine Sammelpunkte und 7 weitere zum Bezahlen, mal per NFC und mal per QR-Code? Vergessen Sie’s.

Ein System kann sich nur dann durchsetzen, wenn es a) einfach ist b) keine Kosten verursacht c) durchgängig ist und d) tatsächliche Mehrwerte bietet. Welche dies sein werden, bleibt abzuwarten. Hier experimentieren verschiedene Mitbewerber mit unterschiedlichen Modellen. Eine Lösung, mit der man aber „nur“ bezahlen kann und sonst nichts, wird sich meiner Meinung nach aber nicht durchsetzen – da ist der Mehrwert zu gering.

Vielmehr braucht es das „Ein-für-Alles“: Ich muss im Webshop bezahlen können, ich muss im stationären Einzelhandel bezahlen können, ich muss meine Papierrechnung damit bezahlen können und ich muss Freunden auch Geld schicken können damit. Dafür will ich keine Zusatzhardware und schon gar nicht ein bestimmtes Endgerät. Interessant wird mobile für mich dann, wenn mir die Lösung noch mehr bietet, als nur zu Bezahlen – denn seien wir mal ehrlich: wer zahlt schon gern? Natürlich versuchen auch wir, den Prozess des Bezahlens so angenehm wie möglich zu machen, aber der Fakt, dass man sein Geld hergibt, missfällt wohl den meisten von uns. GO4Q hat das Feature bezahlen natürlich auch. Allerdings sehen wir im Gespräch mit den Usern, dass die Zusatzfunktionen die eigentliche Attraktivität ausmachen.

5.) Glauben Sie, dass mit SEPA 2.0 und einer Regulierung von Mobile Payments eine Grundlage für den Durchbruch geschaffen wird?

Der zunehmenden Fragmentierung des Marktes lässt sich nur mit einer Schaffung eines einheitlichen Standards begegnen: Der Leidtragende ist am Ende sonst immer der Kunde, weil er sonst die oben beschriebene Vielzahl an unterschiedlichen Lösungen braucht (was er aber nicht will). Wir selbst sind bemüht, mit Mitbewerbern in Kontakt zu treten, und einen einheitlichen Standard zu schaffen. Die sonst auftretenden Systemhürden erschweren sonst den Marktzugang für jeden. Wir sehen also SEPA und die Schaffung von Standards als sehr positiv und unterstützen diese Entwicklung. Wir waren vermutlich die ersten, als wir vor 3 Jahren bereits ein SEPA compliant biometrisches Zahlverfahren in Betrieb nahmen.

6.) In Kehl begleiten Sie derzeit ein interessantes Projekt. Um was genau geht es dabei? Und können Sie uns auch einen Ausblick für die Zukunft geben?

Mit Kehl haben wir unser erstes, großes Gutscheinprojekt gestartet. Das City-Forum Kehl kam dabei mit ganz konkreten Vorstellungen zu uns. Vorgabe war die Schaffung eines sicheren und bequemen Gutscheinsystems, welches in Zukunft an die mobil werdenden Anforderungen angepasst werden kann. So starteten wir Anfang Februar das erste, digitale Gutscheinsystem mit über 60 Annahmestellen. Für den Kunden ändert sich indes aber nichts: Wie gehabt erhält der die CFK-Gutscheine an den gewohnten Ausgabestellen – in Banken, der Tourist-Info, usw. Auf jedem Gutschein ist ein individueller QR-Code von uns aufgedruckt, was den Gutschein einzigartig macht. Dieser QR-Code wird bei der Gutscheinannahme vom Händler abgescannt und damit entwertet. Gleichzeitig wird dem Händler im selben Moment der Betrag gutgeschrieben. Das macht das Clearing der Gutscheine wesentlich einfacher als bisher, und erhöht gleichzeitig die Sicherheit. Kein Gutschein kann kopiert werden, und Missbrauch wird so effektiv vorgebeugt. Im gleichen Zuge wurden alle Händler mit unserer Händler-App „QTerminal“ ausgestattet. Damit können sie nicht nur Gutscheine, Coupons, etc. entwerten, sondern auch sofort mobile Zahlungen annehmen. Betrag eintippen, bestätigen, fertig! Somit ist auch bei jedem Händler, der die Gutscheine annimmt, mobiles Bezahlen möglich – mit 60 Standorten in einer Stadt derzeit einzigartig in Deutschland. Perspektivisch gibt die GO4Q-Infrastruktur jede Menge interessanter Möglichkeiten: Irgendwann kommt der Gutschein digital aufs Handy, und kann dann beliebig an Freunde weiterrgegeben werden. Das schont die Umwelt, und geht schnell und einfach. Oder der Gutschein lässt sich bequem zuhause am PC ausdrucken, mit individuellem Design und (auf Wunsch) Foto des Beschenkten. Sie sehen, die Möglichkeiten sind groß, und technisch bereits möglich. Durch die Einführung eines einheitlichen Systems sind in Kehl alle Händler bereits in der Lage, den Kunden ohne weiteres alle Funktionen von GO4Q anzubieten. Alles was sie dafür brauchen, haben sie schon – nämlich ein Smartphone und unsere App. Manchmal ist es eben doch ganz einfach.

Vielen Dank für das Interview

http://www.go4q.mobi

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