Quo vadis Kreditgeschäft? P2P-basierte Unternehmens- finanzierungen (Teil I)

Veröffentlicht von Thomas Hochfeld / 10. März 2014 / , , , , / 0 Kommentare

Peer-to-Peer-Kredite – kurz P2P-Kredite (die Kreditvergabe von Privatperson zu Privatperson) sind in Deutschland durch Plattformen wie SmavaAuxmoney und Lendico schon bekannt. Wie mögliche Ansätze für eine P2P-basierte Vermittlung von Firmenkundenkrediten ausgestaltet sein können, hat die Professur für Anwendungssysteme und E-Business der Georg-August-Universität Göttingen im Rahmen einer Interviewstudie ermittelt. Die Studie ist Bestandteil der Dissertation von Arne Frerichs mit dem Titel „Unternehmensfinanzierung mit Peer-to-Peer-gestützter Mittelvergabe“, erschienen beim Cuvillier Verlag, Göttingen (Link zur Verlagsseite). Da ich mich im Sommer letzten Jahres als Interview-Partner für die Studie zur Verfügung gestellt hatte, haben wir im Januar diesen Jahres eine Zusammenfassung der Studienergebnisse erhalten, worüber wir uns sehr gefreut haben. In diesem Blogbeitrag möchte ich gerne die Vorgehensweise der Studie aufzeigen und den ersten der beiden darin untersuchten Ansätze „Erbringung von Teilleistungen für einen Plattformbetreiber“ beschreiben. Auf den zweiten Ansatz „Konzeption eines bankeigenen Produkts mit P2P-Charakteristika“ gehe ich dann in einem weiteren Blogbeitrag ein, der wenige Tage später erscheinen wird.

Beschreibung der Studie

Ziel der Studie ist es, idealtypische Prozesse für Kreditinstitute im P2P-Banking zu erheben. Hierzu wurden im Zeitraum Mai 2013 bis August 2013 Vertreter von öffentlich-rechtlichen Instituten (Sparkassen und Girozentralen), genossenschaftlichen Instituten und Kreditbanken befragt. Die Befragung erfolgte durch Interviews, die durch einen Leitfaden unterstützt wurden. Insgesamt wurden acht Interviews durchgeführt. Die Akquise neuer Interviewpartner erfolgte so lange, bis sich aus den Interviews keine neuen Erkenntnisse mehr ergaben, wodurch eine theoretische Sättigung erreicht werden konnte. Aus den Interview-Inhalten wurden Aspekte herausgearbeitet und unter vorher festgelegten Kriterien ein Querschnitt durch das Material gelegt (Strukturierung).

Ergebnisse zum Ansatz „Erbringung von Teilleistungen für einen Plattformbetreiber“

Es wurde unterstellt, dass ein Plattformbetreiber für einen P2P-basierten Investitionskredit deutschlandweit arbeitet. Da die Vergabe eines Investitionskredits an ein Unternehmen mit einem Beratungsgespräch beginnt, wurde im ersten Prozessschritt untersucht, ob der Plattformbetreiber oder die Bank das Beratungsgespräch durchführt. Die große Mehrheit der befragten Experten sieht hier die Zuständigkeit beim Plattformbetreiber. Zudem erscheint ein Beratungsgespräch dann sinnvoll, je höher das zu vergebende Kreditvolumen ausfällt. Bezüglich der Bonitätsprüfung sieht die überwiegende Mehrheit der Experten diese Aufgabe bei den Banken, die sich aber auch die Inanspruchnahme externer Dienstleister vorstellen können, um Skaleneffekte zu realisieren. Die Ergebnisse der Bonitätsprüfung sollten als Gesamtergebnis dargestellt werden und die Möglichkeit bieten, diese bei weiterem Informationsbedarf in weitere Teilnoten aufzugliedern. Im Hinblick auf Sicherheiten für einen P2P-basierten Investitionskredit an Unternehmen sollte nach Möglichkeit wegen der Kosten für eine Bewertung und Verwaltung der Sicherheiten verzichtet werden. Bei größeren Kreditvolumen von mehr als 50.000 Euro werden die Sicherungsübereignung und Grundschulden als geeignet eingestuft. Nach der Bonitätsprüfung schließt sich als nächstes die Gebotsphase an. Hier schwanken die Experten zwischen einer matching-basierten Variante (die handelnden Akteure bekommen vom Plattformbetreiber einen Zins genannt, den sie akzeptieren können, aber nicht müssen) und einer umgedrehten Auktion (Investoren benennen denjenigen Zinssatz, den sie minimal bereit sind zu akzeptieren; am Ende der Gebotsphase werden die Gebote mit den niedrigsten Zinssätzen bedient). In jedem Fall ist vom Plattformbetreiber eine Empfehlung für eine risikoabhängige Bepreisung abzugeben. Für den nächsten Prozessschritt Kontoführung und Monitoring belegen die Aussagen, dass die Zuständigkeit der Kontoführung (in Form eines Zwischenkontos) und einer regelmäßigen Wiederholung der Kreditwürdigkeitsprüfung bei der Bank gesehen wird. Sollte ein Kredit ausfallen, wird die Aufgabe der Abwicklung beim Plattformbetreiber verortet, der seinerseits wiederum auf externe dritte Partner zurückgreifen sollte.

Abschließend wurden die Experten nach Nutzeffekten und Gefahren für die Banken befragt. Der in den Interviews am häufigsten festgestellte Nutzen wurde mit der Provisionserzielung für die Durchführung übernommener Prozessschritte genannt. Damit verbunden wurde auch eine bessere Auslastung vorhandener Mitarbeiterkapazitäten. Des weiteren wird der Innovationscharakter von P2P-Krediten unterstrichen. Auf die Frage nach möglichen Gefahren wurde insbesondere auf vielfältige Haftungsfragen im Zusammenhang mit der erbrachten Bonitätsbeurteilung und damit eventuell einhergehenden Imageschäden hingewiesen.

Zusammenfassend wird für einen idealtypischen Vergabeprozess für einen P2P-Investitionskredit festgehalten, dass Bonitätsprüfung, Bewertung der Sicherheiten und die laufende Kreditüberwachung sowie die Abwicklung des Kapitaltransfers bei der Bank und die Beratungsleistungen, die Gebotsphase und der gesamte öffentliche Auftritt beim Plattformbetreiber liegen. Zudem erscheint es sinnvoll, mit einem spezialisierten Abwickler zu kooperieren, der auch große Stückzahlen erbringen kann.

Die Ergebnisse zum zweiten Ansatz „Konzeption eines bankeigenen Produkts mit P2P-Charakteristika“ folgen in einem weiteren Blogbeitrag, der in wenigen Tagen erscheinen wird. 

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