Quo vadis Kreditgeschäft? P2P-basierte Unternehmens- finanzierungen (Teil II)

Veröffentlicht von Thomas Hochfeld / 12. März 2014 / , , , , / 0 Kommentare

In meinem letzten Blogbeitrag bin ich auf eine Interviewstudie eingegangen, die von der Professur für Anwendungssysteme und E-Business der Georg-August-Universität Göttingen durchgeführt wurde. Die Studie ist Bestandteil der Dissertation von Arne Frerichs mit dem Titel „Unternehmensfinanzierung mit Peer-to-Peer-gestützter Mittelvergabe“, erschienen beim Cuvillier Verlag, Göttingen (Link zur Verlagsseite). Nachdem ich im letzten Blogbeitrag die Studie beschrieben und den ersten der beiden Ansätze „Die Erbringung von Teilleistungen für einen Plattformbetreiber“ dargelegt habe, möchte ich in diesem Blogbeitrag den zweiten Ansatz „Konzeption eines bankeigenen Produkts mit P2P-Charakteristika“ beschreiben.

Ergebnisse zum Ansatz „Konzeption eines bankeigenen Produkts mit P2P-Charakteristika“

Ein weiterer Ansatz wird in einem bankeigenen P2P-Produkt gesehen, das ein bankinternes Kredit- bzw. Anlageprodukt mit P2P-Charakteristika darstellt. Hierbei kann auf bestehende Prozesse zur Kreditvergabe zurückgegriffen werden.

Unter den Aspekten aus der Perspektive der Kreditnehmer werden kleinere und mittlere Unternehmen gesehen, die über keinen Zugang zum Kapitalmarkt verfügen. Außerdem werden in sich abgeschlossene, einzelne Investitionsvorhaben, die sich für eine Regionalförderung eignen, als mögliche Projekte identifiziert. Da die Bank in diesem Ansatz das Ausfallrisiko nicht trägt, sind diese Kredite auch nicht mit Eigenkapital zu unterlegen. Aus geschäftspolitischer Sicht stellt sich somit die Frage, ob ein P2P-Kredit ex-Ante oder ex-Post an eine bankinterne P2P-Plattform weitergereicht werden soll. Wobei ex-Ante bedeutet, dass nicht durch Gebote gedeckte Volumina durch das Kreditinstitut finanziert werden und mit ex-Post die Weitergabe nur der Kredite bezeichnet wird, die in der Bank keine Kreditzusage erhalten. Bei einer ex-Ante-Weitergabe äußern die Interview-Partner, dass auf Zinserträge aus dem Geschäft verzichtet wird, eine ex-Post-Weitergabe aber für die Anleger ein bedenkliches Signal bzgl. der Kreditwürdigkeit des P2P-Kreditkunden bedeuten würde. Die Handlungsempfehlung aus der Studie ist daher, dass eine ex-Ante-Weitergabe nur auf expliziten Wunsch des Kreditnehmers erfolgt und eine ex-Post-Weitergabe nur dann geschieht, wenn das Kreditinstitut signalisiert, dass es auch die gesamte Kreditanfrage finanziert hätte und die Weitergabe Wunsch des Kreditnehmers ist. Als weiterer wichtiger Punkt, der mit dem potenziellen Kreditnehmer abzustimmen ist, ist der eventuelle Verlust der Anonymität zu nennen, der in einem regional beschränkten Gebiet durchaus erfolgen kann.

Einen Nutzeffekt sehen die Experten primär in einer Differenzierung des Finanzierungs-Mixes der Kreditnehmer. Auf der Seite der Gefahren wurde neben evtl. vorhandenen Konditionsnachteilen durch zu hohe kreditgeberseitige Zinsvorstellungen auch der Aufwand für eine aktive Kommunikation seitens des Kreditnehmers genannt.

Unter den Aspekten aus der Perspektive der Kreditgeber werden als Investoren/Anleger nur geeignete vermögende Kunden gesehen, die über die Risiken bei einer Geldanlage umfassend beraten und belehrt worden sind. Dem genannten Punkt der Risikoaufklärung der Anleger wird von den Interview-Partnern die größte Bedeutung beigemessen. Auf Kreditgeberseite wurde gefragt, in welcher Form P2P-Kreditanfragen den Anlegern präsentiert werden sollen. Neben der Präsentation auf Einzelkreditebene wurde auch das Bündeln mehrerer Kreditanfragen (Baskets) in Betracht gezogen. Wenn über die Zusammensetzung nach Bonitäten, Laufzeiten oder Branche die Bank entscheidet, trägt diese auch teilweise zur Diversifizierung der Anlage bei. Sinnvolle Baskets können aber nur entstehen, wenn eine hinreichend große Zahl von Kreditanfragen zur Verfügung stehen. Daher wird bei der Einführung einer bankeigenen P2P-basierten Plattform eine Präsentation auf Einzelkreditebene anzustreben sein. Erst bei einer Weiterentwicklung kann dann ggf. eine Basketlösung konzipiert werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt für die Produktkonzeption ist die Frage, wie mit vorzeitigen Kündigungen seitens der Kreditgeber umgegangen werden soll. Die Experten sehen die Investition in einen P2P-Kredit als ein festes Geschäft, bei dem ein vorzeitiger Ausstieg nur dann möglich sein sollte, wenn über die interne Plattform ein Ersatzinvestor gefunden werden kann.

Einen Nutzeneffekt sehen die Experten für die Anleger in etwaigen Renditevorteilen gegenüber klassischen Anlageprodukten einer Bank. Außerdem werden Diversifizierungsmöglichkeiten des Anlageportfolios genannt. Ebenso wichtig wird auch die Bestimmung über die Verwendung der Geldanlage gesehen. So kann ein Anleger in Unternehmen investieren, mit denen er sich indentifizieren kann. Auf der Seite der Gefahren wird wenig überraschend das Ausfallrisiko auf Kreditgeberseite als primäre Gefahr gesehen. Außerdem werden die Nichterreichung der kreditgeber-individuellen Renditeziele und eine potenzielle Illiquidität der Anlagen genannt.

Unter den Aspekten aus der Perspektive des Kreditinstiuts wird sich zum einen der Frage nach der Ausgestaltung der Kontoführung zugewandt. Hier zeigen die Aussagen der Experten, dass eine separate Kontoführung präferiert wird. Zum anderen ist die Wahl des Zinskoordinationsmechanismus ein weiterer wichtiger Aspekt. Aufgrund der im Vergleich zum ersten Ansatz wesentlich engeren Kundenbindung wird den Banken empfohlen, Einfluss auf die Zinskoordination auszuüben, damit für beide Seiten risikoangemessene Konditionen erreicht werden können. Dies soll durch ein Konditionsvorschlag seitens der Bank erfolgen, der auch die Kenntnis über die Angebotsseite mit berücksichtigen kann. Als ein ebenfalls wichtiger Aspekt wird die Darstellung der Kreditprojekte und der Zugriff für potenzielle Anleger auf diese Kreditprojekte gesehen. Die Interview-Partner erachten eine Integration in den Funktionsbereich des Online-Banking-Portals des anbietenden Instituts als sinnvoll. Außerdem wird von ihnen unterstrichen, dass dieser Bereich nur für geeignete Kunden (vermögende Kunden mit entsprechendem Risikobewusstsein) zugänglich sein soll, damit keine Renditehoffnungen bei Kunden geweckt werden, die im traditionellen Anlagegeschäft durch die Bank nicht erfüllt werden können.

Einen Nutzeneffekt sehen die Interview-Partner für die Kreditinstitute primär im Innovationscharakter eines P2P-Produktes, wodurch sowohl Neukunden akquiriert und möglicherweise entgangenes Geschäft gehalten werden kann. Zu dem können aufgrund der vermittelnden Tätigkeit der Bank Provisionserlöse erzielt werden. Auf der Seite der Gefahren dominieren die Haftungsfragen und mögliche negative Auswirkungen auf das Image der Bank. Außerdem sei die Möglichkeit der Wirtschaftsspionage nicht auszuschließen.

Eine Neukundenakquise nur aufgrund des Angebotes eines innovativen Produktes dürfte meines Erachtens schwierig sein. Daher kommt der Generierung weiterer Erträge für die Bank eine große Bedeutung zu. Dies kann durch Provisionserlöse erfolgen, die für an die Plattform vermitteltes Kreditgeschäft vereinnahmt werden. Gerade wenn dort auch Finanzierungen ermöglicht werden, die von der Bank nicht gemacht worden wären. Dabei muss eine Entscheidung seitens der Bank gegen einen Kredit nicht immer nur bonitätsbedingt sein, sondern kann auch in zu kleinen Volumen begründet sein.

Welche Anmerkungen haben Sie zu P2P-basierten Unternehmenskrediten? Gibt es Aspekte, auf die nicht eingegangen wurde oder denen Sie mehr Relevanz zusprechen würden?

 

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