Fxxx you RoI – Es geht um Kunden, Agilität und Lernen

Veröffentlicht von Franz Sebastian Welter / 23. März 2014 / , , / 3 Kommentare

Im Zeitalter der digitalen Transformation ist es gefährlich, einzig den Return on Investment (RoI) als Kriterium für Investitionsentscheidungen heranzuziehen. Vor dem Hintergrund der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingung, zunehmender regulatorischer Maßnahmen und als Geisel eines zu dogmatischen RoI-Denkens, laufen Banken Gefahr den Anschluss zu verpassen und es zu versäumen, wichtige Kompetenzen für die Bank der Zukunft aufzubauen.

In den vergangenen Tagen hab ich einige interessante Konferenzen besucht und mit vielen netten Menschen aus der Finanzdienstleistungsbranche gesprochen. Wenn ich die Aktivitäten der Volksbank Bühl vorstelle, werde ich immer wieder nach einem RoI zu einzelnen Maßnahmen gefragt. Bei einigen Projekten kann das natürlich leicht beantwortet werden, bei anderen wiederum nur sehr schwer oder auch gar nicht. Immer wieder blicke ich in ungläubige Gesichter, wenn ich versuche zu erläutern, dass es im Zeitalter der digitalen Transformation gefährlich ist den RoI als primäres Entscheidungskriterium heranzuziehen und das Banken gut beraten wären einen Fokus auf den Risk of Non-Investment zu setzen.

Was meine ich damit? Werfen Sie einen Blick auf viele Start-Ups in der Internetbranche. Viele davon haben zum Start gar kein Geschäftsmodell und teilweise ist auch noch Jahre nach dem Start gar nicht klar, wie sich mit dem Unternehmen Geld verdienen lässt. Denken Sie an WhatsApp, facebook, youtube und zahlreiche andere Beispiele. In vielen Banken ist es ausgeschlossen, Projekte zu starten, bei denen nicht von Beginn an der RoI klar ist oder zumindest plausibel geschätzt werden kann. Hier kommt das Problem: Wenn man dann irgendwann mal weiß, wie man damit Geld verdienen kann und endlose Seiten Business Case zu Papier gebracht hat, haben es andere schon längst umgesetzt. Entweder man startet dann gar nicht oder zu spät.

Die für mich am meisten unterschätzte Gefahr ist jedoch das Risk of Non-Investment. Damit meine ich das Risiko, durch fehlende Experimente mit digitalen Projekten nicht zu lernen und das Versäumnis, wichtige Kompetenzen für die Bank der Zukunft aufzubauen. Insbesondere in Bezug auf digitale Projekte sehe ich hier im Retail-Banking eine Gefahr. Ich möchte das an einem Beispiel erläutern. Vielleicht haben Sie die Reaktion von Steve Ballmer auf die Einführung des iPhones in 2007 schon mal gesehen? Steve Ballmer belächelt die Einführung des iPhones und ist sich sicher, dass dieses kein Erfolg werden kann – hat ja schließlich kein Keyboard, ist zu teuer und die Geräte von Microsoft können ja sowieso alles, was das iPhone können soll.

Was das mit Banken zu tun hat? Ich habe das Gefühl, dass vielen Start-Ups im Finance-Umfeld von einigen Managern eine ähnlich arrogante Haltung entgegengebracht wird. Diese Haltung ist oftmals nicht nur eine persönliche Meinung der Entscheider, sondern vielmehr Ausdruck eines kulturellen Mindsets, wie man es heute leider noch in vielen Banken findet. Vielleicht liegen viele Bankmanager falsch, wenn sie einige der neuen digitalen Trends als kurzfristige Hypes abtun oder Start-Ups nach Bewertungsmaßstäben von Gestern beurteilen (wie Steve Ballmer, der das iPhone nach Kriterien von Gestern beurteilte, anstatt zu erkennen, dass sich der Markt dreht).

Banken können  zwar Innovationsabteilungen aufbauen oder Co-Creation Workshops mit Kunden veranstalten, wenn die tollen Ideen und Konzepte dann aber in internen Stage-Gate Prozessen weich gespült werden, weil die Unternehmenskultur dafür sorgt, kommen dabei nie digitale Kundenerlebnisse heraus. Deshalb ist es so wichtig, rechtzeitig einige der digitalen Themen anzugehen auch wenn man noch keinen Plan hat, wie und ob damit später Geld verdient werden kann. Es geht darum die Kultur der Organisation zu prägen, von Kunden zu lernen, Fehler zu machen, Kompetenzen aufzubauen und viel schneller zu werden. Eine zu dogmatische Orientierung am RoI, kann diesen Lernprozess verlangsamen oder im schlimmsten Fall verhindern. Banken sollten daher bei Investitionsentscheidungen immer auch den Risk of Non-Investment im Auge behalten. Aber vielleicht muss dieses Risiko ja auch erst reguliert werden… </ironie>

Kommentare

3 Kommentare

  • Kay
    21. August 2014 bei 14:05

    es fehlt der [] „Start-tag“
    und …. … vielleicht muß nicht nur das Risiko reguliert werden sondern auch erstmal das disruptive Ergebnis in aller Konsequenz eingeschlagen haben oder aber … es wird ein ganz anderes Spiel gespielt als wir meinen

    … und sie dreht sich doch …

    Macht Spaß die Blogeinträge zu lesen …. nicht nur in FB

  • Kay
    21. August 2014 bei 14:07

    cool …. es werden die ganzen angedeuteten Steuerzeichen im Kommentar verschluckt nach dem Posten …..

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