Social Media für Private Banking Kunden – wie vernetzen sich die Berater mit ihren vermögenden Kunden in Zukunft?

Veröffentlicht von Nadine Brommer / 2. Juli 2014 / , , / 0 Kommentare

Innovation wird im Geschäft mit wohlhabenden Kunden vielfach mit Risiko gleichgesetzt – aber auch Berater im Private Banking müssen sich auf eine Beziehungspflege 2.0 einlassen. Die Demografie legt einen solchen Wandel nahe. Die Silver Surfer und älteren Generationen werden das Internet sehr bald als Selbstverständlichkeit ansehen.

Ein Allround Service im Online Bereich speziell für vermögende Kunden – das und viel mehr könnte es bald geben. Gerade im Private Banking hat Vertrauen, Top Service und der direkte Draht zum Vermögensberater höchsten Stellenwert. Können diese Bedürfnisse nur durch persönlichen Kontakt erfüllt werden, oder ist das Web 2.0 auch für den Private Banking Kunden geeignet? Meiner Meinung nach gewinnen Kanäle wie Internet und Social Media auch im Private Banking immer stärker an Bedeutung und werden zwangsläufig zu einem wichtigen Bestandteil des kundenorientierten Angebots.

Inzwischen sind Telefongespräche via Handy Normalität, ebenso wie die Kommunikation über E-Mail. Aus Compliance-Gründen ist manches Geschäft über diesen Kanal jedoch nicht möglich; wer E-Mails trotzdem nutzen will, nimmt Einschnitte beim Bankgeheimnis in Kauf. Faxgeräte sind oft nicht gerade zur Hand und über das Telefon ist der Berater nicht immer erreichbar, wenn er sich gerade in einem Kundengespräch befindet.

Von der Firma „additiv AG“ gibt es bereits die App „Advisor“. „additiv“ ist ein Beratungs- und Technologieunternehmen für Finanzdienstleistungen in Zürich. Sie bietet Direktvertriebs- sowie Automatisierungslösungen für Banken und Versicherungen an. In der genannten App können sich Kunde und Kundenberater regelmäßig austauschen. Der Berater kann z.B. über Microsoft Outlook seinen Kunden individuelle Produktempfehlungen, Beratungsangebote oder Einladungen zu konkreten Events direkt auf das Smartphone/ Tablet senden. Über diese App kann der Berater seinem Kunden Kurznachrichten schicken, Kauf- und Verkaufsorders oder Limite anzeigen lassen. Als Antwort tippt der Kunde auf den Ja- oder Nein-Button (OneClick Response), bei Transaktionen kann er zusätzlich den Betrag anpassen. Der Kunde muss sich nicht die Finger wund tippen, sondern kann ohne weitere Erklärung einfach auf die entsprechende Antwort klicken. Des Weiteren besteht die Möglichkeit zur kostenlosen Kontaktaufnahme via SecureCall (ohne dass er die Telefon-Nummer des Beraters eintippen muss) oder Versenden einer Nachricht an den Berater zur Kontaktaufnahme.

Kunden wollen jederzeit und über verschiedene Kanäle Zugang zu Informationen haben, beraten werden, Angebote bekommen oder Entscheidungen treffen – dies ist über diese App möglich. «Ohne moderne Tools wird es künftig schwierig, sich als Vermögensverwalter am Markt zu behaupten», sagte Reto Gualeni, Schweiz-Verantwortlicher beim IT-Unternehmen Interactive Data. Durch die App wird zum einen die Kundennähe noch mehr gestärkt, zum anderen ist es für den Kunden durch die effektiveren Kundeninteraktionen sehr profitabel.

Die ICICI Bank stellt z.B. die App iWealth für die vermögenden Kunden zur Verfügung, darin enthalten sind z.B. wöchentliche Updates für den weltweiten Aktienmarkt, wichtige Wirtschaftsfakten, Zugang zu Video-Interviews mit Experten, ein „Wealth Advantage“ also Vorzüge und Angebote zu Reisen, Gesundheit, exklusivem Lifestyle, eine Inbox in der Kunden Nachrichten senden und empfangen können, ein Kalkulator in dem die Kunden ihre Investments planbar hochrechnen können, Angebote über Kreditkarten und Produkte die für den Kunden interessant sein könnten und vieles mehr.

Eine ähnliche App wäre auch für den Genossenschaftsbereich denkbar. Zusätzlich ergänzt werden könnte diese z.B. durch Video-Chats oder die Funktion Bilder/ Fotos an den Berater zu versenden (z.B. Kopien von bestehenden Fremdversicherungen, um ein Gegenangebot zu erstellen). Exklusive Zusatzfunktionen wie die Multibankfähigkeit, also die Übersicht über das gesamte Vermögen bei allen Kreditinstituten in einer Übersicht zu vereinen, wäre auch denkbar. Die App könnte auch personalisiert werden, indem ein Foto des Beraters auf dem Display zu sehen ist. Einen vollständigen Ersatz des klassischen Beratungsgespräches wird es dadurch wohl nicht geben, aber es ist auf jeden Fall eine hilfreiche Ergänzung.

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