Crowdinvesting in Südbaden

Veröffentlicht von Thomas Hochfeld / 21. August 2014 / , / 0 Kommentare

Michael Paul ist Geschäftsführer der „braintools consult Gmbh“ aus Freiburg, die das Crowdinvest-Portal www.crowdfunding-südbaden.de betreibt. Die Firma „braintools consult GmbH“ existiert bereits seit 1998 und wurde zusammen mit Dirk Alfare und Barbara Schlegge, auch ehemalige Banker,  gegründet. Seit 1998 wurden über 360 Beratungsprojekte zum Thema Unternehmensentwicklung und –finanzierung betreut.

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Welche Chancen bietet Crowdinvesting für Unternehmen?

M. Paul: „Crowdinvesting bietet einzigartige Vorteile gegenüber einer klassischen Finanzierung. Das Unternehmen stärkt sein Eigenkapital und damit auch das Fundament für z.B. weitere Bankdarlehen. Den größten Vorteil sehen wir aber darin, dass die Finanzierung zum Marketinginstrument wird. Aus Kunden, Mitarbeitern, Lieferanten, Freunden des Unternehmens werden Beteiligte, wenn auch mit Kleinbeträgen. Und umgekehrt: Geldgeber interessieren sich ja für das Produkt, sind also oft auch neue Kunden.“

Für welche Firmen bzw. Projekte eignet sich Crowdinvesting?

M. Paul: „In den letzten zwei Jahren waren es typischerweise jüngere Unternehmen im Endkonsumentengeschäft, wo sich die Anleger direkt für das Produkt begeistern konnten. Im letzten halben Jahr wurden erstmals mehrere „B2B“ – Kampagnen sehr erfolgreich finanziert, sogar im siebenstelligen Bereich. Der ja noch junge Markt ist also sehr in Bewegung. Aber generell kann man sicher sagen, dass das Unternehmen, der Unternehmer und das Produkt einfach und überzeugend sein müssen. Wir glauben daran, dass dieser Finanzierungsweg auch den Mittelstand erreichen wird. Wer seine Geldgeber begeistert, hat später besonders treue Investoren und schafft eine erfolgreiche Kampagne.“

Welche Arten der Kapitalbeteiligung gibt es?

M. Paul: „Bei unseren bisherigen Kampagnen lag der Durchschnitt des einzelnen Investments bei rund 650 €, wobei das größte Einzelinvestment bei 10.000 € lag, das Kleinste bei 5 €. Für 100 T€ haben wir 142 Investoren mit dem Unternehmen zusammengebracht. Zwei Modelle sind dafür derzeit üblich; die stille Beteiligung und das partiarische Nachrangdarlehen. Der Unterschied ist eher juristischer Natur und für den Anleger weniger von Bedeutung. Damit ist der Anleger bei den bisherigen Modellen am Gewinn und am Wertzuwachs beteiligt.“

Sehen Sie hier eine Möglichkeit, Crowdinvesting mit dem genossenschaftlichen Gedanken zu kombinieren?

M. Paul: „Aber ja! Im Grunde passt das perfekt zusammen. Die Herren Delitzsch und Raiffeisen haben ja genau genommen damals nichts anderes als Crowdinvesting gemacht: Geld in kleinen Beträgen eingesammelt und sinnvoll investiert, wovon jeder was hatte. Nur, dass es noch kein Internet gab, was die Sache heute deutlich vereinfacht.“

Gibt es Vorbehalte / Vorurteile gg. Crowdinvesting von Unternehmen?

M. Paul: „Natürlich, die gibt es ja immer, wenn etwas neu und noch nicht so bekannt ist. Manche halten es für eine neue „Internetzockerei“. Das ist sicher falsch, denn die Beträge sind i.d.R. klein und die Rendite steht nicht im Vordergrund. Dem Kleininvestor muss aber klar sein, dass es gute Chancen gibt, aber keine Sicherheiten. Wir raten, sich die Projekte gut anzuschauen, auch wenn man nur 250 € investieren will. Auch wir sehen immer wieder Projekte auf dem Markt, die uns nicht überzeugen und trotzdem finanziert werden. Deshalb setzen wir bei crowdfunding-südbaden.de als ehemalige Banker auf eine professionelle Prüfung der Projekte und den regionalen Bezug. Überzogene und nicht nachvollziehbare Unternehmensbewertungen gibt es bei uns nicht. Hier investiert ein Geldgeber nicht in ein anonymes Unternehmen irgendwo, sondern „um die Ecke“.

Welche Hürden bzw. Nachteile gibt es für Unternehmen?

M. Paul: „Dem Unternehmen muss klar sein, dass diese Finanzierungsform Transparenz fordert. Man muss klar sagen, was man tut, wie und womit man sein Geld verdient. Ist- und insbesondere Planzahlen müssen in einem mit Passwort geschützten Bereich veröffentlicht werden. Das ist bei der Bank ja nicht anders, aber beim Crowdinvesting geschieht es in einer, wenn auch eingeschränkten Öffentlichkeit, das mag -noch- nicht jeder Unternehmer.“
Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung von Crowdinvesting ein?

M. Paul: „Wir sind überzeugt, dass die Bedeutung von Crowdinvesting, dass es in Deutschland ja erst seit gut zwei Jahren gibt, sehr stark zunehmen wird. Dabei sehen wir es nicht als nur als Alternative zur Bank, sondern als perfekte Grundlage oder Ergänzung zur klassischen Finanzierung z.B. über die Volksbank, die L-Bank oder KfW. Der regionale Bezug ist für uns, anders als bei den großen Portalen, sehr wichtig. Das schafft Nähe und Vertrauen, und das Geld „schafft in der Regio!“, wie bei der Volksbank.“

Vielen Dank für das Interview!

 

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