Neues vom Bergfürst – in Kürze auch Immobilien-Crowdinvesting

Veröffentlicht von Thomas Hochfeld / 17. September 2014 / , / 0 Kommentare

Bereits im Juli 2012 hatte ich über die zum damaligen Zeitpunkt neue Crowdinvestment-Plattform www.bergfuerst.com berichtet. Neu war seinerseits, dass die Plattform-Betreiber eine Lizenz als Finanzdienstleister bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beantragt und diese im Oktober 2012 auch erhalten haben. Im Juli dieses Jahres gingen die Betreiber einen Schritt weiter und konnten den Erhalt einer Bank-Lizenz bekannt geben. Seither firmieren sie als BERGFÜRST Bank AG. Dieser Beitrag beschreibt, welche Investments inzwischen auf der Plattform getätigt werden können, in welchen Phasen des Prozesses was geschieht und wie die Preisbildung beim angebotenen Handel erfolgt.

Mögliche Investment-Arten

Auf der Plattform wird zwischen zwei Investitionsmöglichkeiten unterschieden. Zum einen können sich Privatinvestoren bereits am Eigenkapital von jungen Unternehmen in der Wachstumsphase beteiligen. Und zum anderen besteht die Möglichkeit, sich an einzelnen Immobilien zu beteiligen. In beiden Fällen ist eine Beteiligung bereits ab 250 Euro möglich. Ein elektronischer Handelsplatz ermöglicht den Investoren zudem einen Handel ihrer Beteiligungen nach Beendigung der Emission.

Das Investment in junge Unternehmen sieht eine Beteiligung in Form von Aktien vor. Durch den im Rahmen von Angebot und Nachfrage auf der Plattform ebenfalls ermöglichten Handel kann der Investor auch an eventuellen weiteren Wertentwicklungen (höherer Aktienkurs bei Verkauf) partizipieren.

Bei der Beteiligung an einzelnen Immobilien werden Genussscheine ausgegeben. Investoren erhalten eine feste Verzinsung ab 3 % p.a., wobei durchaus aber auch die Möglichkeit besteht, dass bei einer wirtschaftlichen Schieflage (z. B. weil Mieteinnahmen ausfallen) Zinsansprüche der Investoren nur teilweise oder gar nicht bedient werden können. Zusätzlich partizipiert der Investor entsprechend seiner Beteiligungsquote an einer etwaigen Wertsteigerung am Ende der Laufzeit bzw. bei Verkauf.
Beide Investitionsmöglichkeiten haben gemeinsam, dass nach der Anmeldung und dem Aufladen von Guthaben während der Emission Aktien (bei Unternehmen) bzw. Anteile (bei Immobilien) gezeichnet und danach auf dem Sekundärmarkt verkauft oder nachgekauft werden können. Das folgende Schaubild zeigt die verschiedenen Phasen.

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Die verschiedenen Phasen im Detail

In der Zeichnungsphase gibt der Investor den Gesamtbetrag an, den er investieren möchte und vermerkt zusätzlich, wie viel er pro Aktie maximal bezahlen möchte (sogenanntes „Bookbuilding“). Letzteres entfällt bei den Immobilien-Beteiligungen, da diese zum Festpreis gezeichnet werden. Zu welchem Preis die Aktien an die Investoren ausgegeben werden, hängt von den Geboten aller Investoren ab. Denn der Ausgabepreis wird sich an dem maximal möglichen Preis orientieren, zu dem alle Aktien platziert werden können. Zu diesem Ausgabepreis werden die Aktien dann zugeteilt (Zuteilungsphase), auch wenn ein höherer Preis pro Aktie geboten wurde. Gebote unterhalb dieses Ausgabepreises können im Rahmen der Emission hingegen nicht erfüllt werden. Das folgende Video zeigt diese Zusammenhänge (zwischen Minute 1.28 und 2.00).

 

 

Nach erfolgter Emission und Zuteilung beginnt die Handelsphase. Investoren können nachkaufen bzw. verkaufen oder erstmalig erwerben, wenn sie bei der Emission nicht gezeichnet haben oder nicht berücksichtigt werden konnten. Der Handel erfolgt lediglich im Rahmen von Angebot und Nachfrage. Der Investor gibt hierzu an, wie viele Aktien zu welchem Preis ge- oder verkauft werden sollen. Wenn BERGFÜRST einen entsprechenden Marktteilnehmer findet, dann kommt der Kauf bzw. Verkauf zustande. Dabei tritt BERGFÜRST als Zwischenhändler auf, so dass Käufer und Verkäufer nicht direkt miteinander in Kontakt kommen. Das folgende Schaubild veranschaulicht diese Vorgehensweise.

 

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Unterschiedliche Kauf- und Verkauf-Wünsche zusammen bringen

Da aber in den seltensten Fällen Kauf- und Verkauf-Wünsche hinsichtlich Preisvorstellung, Stückzahl oder Zeitpunkt exakt zusammen passen, erfolgt die Zusammenführung von Kauf- und Verkaufsorders (sogenanntes „Ordermatching“) mit Hilfe eines Handelsalgorithmus. Dieser beruht auf den gleichen Prinzipien, die auch bei regulierten Wertpapierbörsen zum Tragen kommen und verfolgt die Grundsätze „Meistausführungsprinzip“ sowie „Preis-Zeit-Priorisierung“. Das Meistausführungsprinzip sorgt dafür, dass das größtmögliche Handelsvolumen bei bestem Preis für Verkäufer und Käufer zustande kommt. Da ein Käufer einen möglichst geringen und ein Verkäufer einen möglichst hohen Preis erzielen möchte, müssen die Orders immer mit einem Limit versehen werden. Innerhalb dieser Limite wird stets der Preis ermittelt, zu dem die meisten Aktien gehandelt werden können, so dass eine größtmögliche Liquidität erzielt wird. Orders mit einem Limit unter dem ermittelten Preis sind dann nicht ausführbar. Die Preis-Zeit-Priorisierung tritt dann in Kraft, wenn keine deckungsgleiche Stückzahl vorliegt, also mehr Kaufgesuche als Verkaufsangebote (und umgekehrt) vorliegen. In diesen Fällen erfolgt eine Priorisierung an erster Stelle anhand des besten Preises. Das heißt, ein höheres Kaufgebot hat immer Vorrang vor einem niedrigeren Gebot, selbst wenn beide Gebote oberhalb des ermittelten Preises liegen. An zweiter Stelle erfolgt eine Priorisierung anhand des Zeitpunktes, nach der bei gleichem Preis die zuerst erteilten Orders Vorrang haben. Der Handelsalgorithmus sorgt also dafür, dass die größtmögliche Anzahl an Aktien zum bestmöglichen Preis für Käufer und Verkäufer gehandelt werden kann.
Für September/Oktober 2014 kündigt BERGFÜRST eine weitere Investitionsmöglichkeit an, nämlich die Investition in eine Immobilie, das Middendorf Haus in Hamburg. Derzeit haben Investoren auf der Plattform jedoch nur die Möglichkeit in ein einziges Unternehmen zu investieren. Die Online-Marke URBANARA, die für qualitativ hochwertige Heimtextilien und Wohnaccessoires steht, hatte im November letzten Jahres die Zuteilungsphase beendet. Ab dem 11. November 2013 konnten die ausgegebenen Aktien dann erstmals gehandelt werden. Der Kurs-Chart von URBANARA zeigt bisher nur geringe Handelsaktivitäten. Jeder abgebildete Punkt auf diesem Chart ist eine Handelsausführung, bei der eine oder mehrere Orders (teil-)ausgeführt wurden. In den sieben Handelswochen in 2013 wurden durchschnittlich fünf Orders (teil-)ausgeführt. In 2014 waren es durchschnittlich sogar nur eine Order pro Woche. Dabei fallen auch zwei Mal vierwöchige Phasen ohne jegliche Handelsaktivitäten auf.

Für einen funktionierenden Handel sind ein bis zwei Investitionsmöglichkeiten innerhalb eines Jahres daher zu gering, so dass der genannte Vorteil, dass Investoren bei BERGFÜRST über ihr Kapital verfügen können, ohne langfristig an das Engagement gebunden sein zu müssen, tatsächlich noch nicht ausgeprägt ist.

aa
Quelle: BERGFÜRST Plattform (www.bergfuerst.com)

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