Weiterbildungswahn bremst Fortschritt

Veröffentlicht von Frank Gutknecht / 6. Oktober 2014 / , , , , / 1 Kommentar

In einer Pressemitteilung vom 03.05.2013 des statistischen Bundesamtes wurde verkündet, dass fast drei Viertel der Unternehmen berufliche Weiterbildungen anbieten, verbunden mit erheblichen Ausgaben für die Unternehmen.  Experten betonen, dass lebenslanges Lernen immer wichtiger wird: Die „Flexibilisierung der Arbeit, die Verringerung der Halbwertszeit von Wissen, die zunehmende Veränderungsgeschwindigkeit in der Gesellschaft sowie die demographische Entwicklung“ (Koch 2011c, S. 5) machen deutlich, dass der Einzelne seine Einstellungen und Fähigkeiten an die gängigen Anforderungen kontinuierlich vergleichen und anpassen muss. Darüber hinaus verdeutlicht die Delphi-Studie 2012, dass die Evaluation von beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen in Zukunft von besonderer Bedeutung für die Personalentwicklung ist. Hierbei stehen die kontinuierliche Hinterfragung von Zielen, Nutzen, Aufwand sowie der Nachhaltigkeit von Weiterbildungsmaßnahmen im Fokus (vgl. Schermuly et al. 2012, S. 111 ff.).

Welche Rolle spielt im Rahmen von Veränderungen und Innovationen die Personalentwicklung, nach welchen Maßstäben sollte Personalentwicklung erfolgen? Wer bekommt eine Aus- und Fortbildung in einem Unternehmen und warum? Nach meiner Meinung sind folgende Parameter entscheidend:

  • PE-Maßnahmen sollten immer auf Basis der Ergebnisse einer vorab durchgeführten Potentialdiagnose erfolgen
  • –> keine pauschalen Weiterbildungsangebote – diese sind nur für fachliche Veranstaltungen notwendig (wie gesetzliche Änderungen, Fachinformation, Umgang mit neuen Programmen).
  • PE nach dem Gießkannenprinzip ist psychologisch und ökonomisch sinnfrei: PE muss also bedarfsgerecht und größtenteils individuell sein!
  • Anforderungsprofile (ggfs. auch Kompetenzprofil) sind für die PE entscheidend: Abweichungen geben Anlass zur Personalentwicklung 
  • Nicht jedes Merkmal aus einer Potentialdiagnose ist direkt entwickelbar: Zum Beispiel ist Gewissenhaftigkeit nicht trainierbar. Dafür aber z.B. der Umgang mit Tools zur Fehlervermeidung oder Einhaltung von Terminen, Zeitmanagement etc.
  • Personalentwicklung setzt schon viel früher an. Schon bei den Personalauswahlprozessen. Eine gute Berufseignungsdiagnostik ist dabei von Vorteil.

Innovationen werden schon oft durch sinnlose Seminarangebote gebremst. Berater, Trainer und Coaches, die ohne Auswahlkriterien  ausgewählt werden, gefolgt von mangelnder Evaluation von Trainings sowie dem Fehlen kontinuierlicher Hinterfragen von Zielen und Nutzen von PE-Maßnahmen. Letztendlich geht so die Individualität verloren, die Konformität im Denken und Handeln wird gefördert, wichtige Personalressourcen werden falsch gebunden – Demotivation und die mangelnde Bereitschaft Neues und „Verrücktes“ auszuprobieren sind die Folge. Wie erleben Sie das Weiterbildungsangebot in Ihrem Unternehmen?

Kommentare

Ein Kommentar

  • 16. Dezember 2014 bei 12:56

    Also ich vertrete ja die Meinung, dass wenn man im beruflichen Vollgas fahren möchte, auch im privaten Leben einen Ausgleich benötigt. Die schnelllebige Zeit verführt immer mehr den Standard heraufzusetzen…Das ist der Fehler.
    Man muss sich bewusst entscheiden für die wichtigen Dinge im Leben. Prioritäten müssen gesetzt werden. Das führt zu Sicherheit und Konzentration auf die Prio A-Dinge. Prio-B Tätigkeiten können auf einen anderen Zeitpunkt verschoben werden usw.

    VG
    Gerti von Zeitarbeit Augsburg

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