Bank of things – wie das Internet der Dinge die Banken verändert

Veröffentlicht von Wibke Ziegler / 27. Mai 2015 / , , / 0 Kommentare

Kürzlich wurde von der Hochschule St. Gallen ein Video über die verschiedenen Wellen der Digitalisierung und deren Auswirkungen veröffentlicht. Darin wurde vor allem die aktuelle Welle, das Internet der Dinge (internet of things), also die Digitalisierung von Dingen als eine völlig neue Dimension bezeichnet. Dieser Beitrag gibt kurz die Inhalte dieses Videos wider und zeigt, wie das Internet of things zu einer Bank of things werden kann.

In dem Video wird als erste Welle die Digitalisierung von Prozessen genannt. Diese hatte das Ziel, die Effizienz zu steigern. Darunter fielen das eBanking, elektronische Bibliotheken, die Digitalisierung bestehender Informationsbestände und Prozesse sowie die Vernetzung von Unternehmen untereinander. Dabei drehte sich alles um professionellen Content, hinter dem Unternehmen standen.

Die zweite Welle kann als das bezeichnet werden, was wir heute unter dem Web 2.0 verstehen, einem User generated Content, also Inhalte, die von den Nutzern selbst generiert werden.

An der Schwelle der dritten Digitalisierungswelle geht es darum, Dinge zu digitalisieren. Wenn Dinge um uns ebenfalls digital sind , kommunizieren und uns Content zur Verfügung stellen können, stellt das eine völlig neue Dimension dar. Als Beispiel wird im Video die Tower Bridge in London genannt, die selbst twittert, wann ihre Öffnungszeiten sein werden.

In einer Veröffentlichung von des Managementberatungs-, Technologie- und Outsourcing-Dienstleisters Accenture werden Fortschritte in digitalen und mobilen Technologien als Antreiber für tiefgreifende Änderungen von Kundenverhalten und -erwartungen genannt.

Demnach kann der heutige Kunde 3.0 nicht anhand von traditionellen demographischen Merkmalen, wie Alter, Geschlecht oder Einkommen definiert werden. Vielmehr ist der Kunde 3.0 zahlreich vernetzt, hoch informiert, sehr anspruchsvoll und hat zahlreiche Wahlmöglichkeiten.

Um den Kunden 3.0 in der Bank of things-Epoche mit seinen Bedürfnissen und Ansprüchen bedienen und den Vertrieb optimieren zu können, ist es für Banken erforderlich, die enorme Menge an bereits verfügbaren Kundendaten zu nutzen und zusätzlich die vorhandenen Einblicke aus Social Media und anderen Datenquellen in diese einzubinden. Die Auswertung und Analyse dieser Daten wird der Bank die Möglichkeit geben, ein besseres Verständnis für ihre Kunden zu entwickeln, um den Kunden auf sie zugeschnittene Lösungen anbieten zu können. Die Banken müssen verstehen, was ihre heutigen Kunden ausmacht, was sie von anderen unterscheidet. Dazu ist es erforderlich, die Bedürfnisse der Kunden vorauszuahnen und Lösungen für diese parat zu haben. Dies geschieht, indem die Banken drei Rollen einnehmen.

  • Die Rolle des Beraters
    Banken müssen ihre traditionelle Rolle als vertrauenswürdiger Berater beibehalten. Aber zukünftig müssen Banken sowohl den finanziellen als auch den nicht finanziellen Bedürfnissen der Kunden mit individuellen und maßgeschneiderten Lösungen begegnen, und zwar wann und wo immer der Kunde dies wünscht.
  • Die Rolle des Wertschöpfers
    Banken müssen zu einem wichtigen Teil des Ökosystems und der sozialen Gemeinschaft ihrer Kunden werden, in dem die Banken besondere Kooperationen und Partnerschaften eingehen, die es ihnen ermöglichen, an profitable Kunden exklusiv bepreiste Angebote richten zu können.
  • Die Rolle des Vermittlers
    Ihre Partnerschaften zu Kunden müssen Banken nutzen, um die Kunden mit anderen Serviceanbietern – von Versicherungen und Gesundheitsexperten zu Fluggesellschaften und Hotels – zu verbinden. Denn nur so können maßgeschneiderte Angebote, die die Bedürfnisse und die Lebensweise der Kunden unterstützen, unterbreitet werden.

Angetrieben von der durch das Internet der Dinge verursachten enormen Datenmenge wird die Bank of things ein allgegenwärtiger Bestandteil im Leben und den täglichen Gewohnheiten der Kunden sein. So wird die Bank of things Bedürfnisse der Kunden vorhersehen und auf ihre veränderten Verhältnisse reagieren und zeitnah passende Lösungen anbieten, die es den Kunden ermöglichen, ihre Ziele zu erreichen. Dazu werden in der o.g. Veröffentlichung drei Szenarien beschrieben, die das Bankgeschäft mit Privatkunden, Produktionsunternehmen und der Agrarwirtschaft beschreiben.

Das Bankgeschäft mit Privatkunden

Unter Zugriff auf Daten aller mit dem Internet verbundenen Geräten wird es der Bank of things möglich sein, ihre Kunden mit einem ganzheitlichen und stets aktuellen Blick auf deren finanzielle Situation zu unterstützen. Indem Banken die Bedürfnisse ihrer Kunden bereits erahnen und ihnen dazu passende Produkte und Lösungen anbieten, helfen sie den Kunden intelligente und fundierte Finanzentscheidungen zu treffen.

Lassen Sie uns folgendes Szenario betrachten. Ein Kunde nimmt auf dem Armaturenbrett seines Autos den Hinweis auf eine notwendige Reparatur wahr. Der Kunde sieht in seiner Banking-App nach, dass sein noch zur Verfügung stehendes Budget für eine Reparatur sehr knapp ist. Die Bank wiederum sammelt Daten über den Kunden aus zahlreichen Quellen, wie z. B. aus dem intelligenten Kühlschrank, dem Stromzähler, dem Wassertank und aus anderen Anwendungen und eben auch aus dem Auto des Kunden. Die digitale wallet (Geldbörse) auf dem Smartphone des Kunden liefert eine Echtzeit-Momentaufnahme aller Ausgaben für Konsum, Sparverträge und Lebenshaltung. Während sich der Kunde diesen Überblick verschafft, geht in der Banking-App ein Hinweis der Bank ein, in dem er über zwei Werkstatt-Angebote und verfügbare Termine informiert wird. Außerdem bietet die Bank dem Kunden Lösungen an, wie er die Reparatur bezahlen kann. Er kann entweder seine regelmäßigen Urlaubs-Sparraten für sechs Monate reduzieren oder sein Kreditkarten-Limit erhöhen. In diese Vorschläge hat die Bank auch die letzte Reduzierung der Beiträge für die Autoversicherung einfließen lassen, die sich aufgrund der neuesten Daten aus dem Auto über die Fahrgewohnheiten des Kunden ergeben haben. Der Kunde entscheidet sich für einen kürzeren Urlaub und bestätigt die Reduzierung der Urlaubs-Sparraten in der Banking-App und bekommt das aktualisierte Urlaubs-Sparziel angezeigt.

Das Bankgeschäft mit Produktionsunternehmen

Die erfolgreiche Bank der Zukunft hilft ihren Unternehmen höhere Gewinne zu erzielen. Indem die Bank auf Daten von Lieferanten, Abnehmern und Händlern zugreift, die jenseits der eigentlichen Wertschöpfungskette ihrer Firmenkunden liegt, wird die Bank in der Lage sein, tief greifende Kundenkenntnisse zu erlangen. Das wird der Bank of things ermöglichen, Finanzanalysen, Produkte und Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen, die ihren Firmenkunden verhelfen, einen Wettbewerbsvorteil in einem eng vernetzten und wettbewerbsintensiven Markt zu erlangen.

Auch hier lässt sich ein Szenario entwickeln. Wie jedes produzierende Unternehmen hat die Unternehmensleitung stets die eigene Wertschöpfungskette im Auge. Jeden Tag aggregiert das Unternehmen detaillierte Informationen zum Verbleib seines Vorratsvermögens, sei es auf dem Weg vom Lieferanten zum Schiffscontainer und zum LKW oder auf dem Weg vom Eingang über das Lager, zur Produktion und schließlich zum Vertrieb. Zu jedem Zeitpunkt kann der Unternehmer seine erstellten Erzeugnisse bzw. deren grundlegenden Komponenten genau lokalisieren. Die gleichen Daten gelangen auch zur Bank, die dadurch ein tieferes Verständnis für die Bilanz des Unternehmens und die Umschlagshäufigkeit der Vorräte erlangt. Dadurch kann die Bank of things freie Kreditlinien zur Finanzierung des Warenbestands aktuell anpassen. So hat die Bank of things auch vor einigen Monaten vorhergesehen, dass das Unternehmen auf Liquiditätsprobleme stoßen wird, da Lieferantenverbindlichkeiten fällig wurden, bevor Umsatzerlöse erzielt werden konnten. So konnten bereits im Voraus Bedingungen für eine zeitversetzte Zahlung vereinbart werden.

Das Bankgeschäft mit der Agrarwirtschaft

Das Internet der Dinge wird es den agrarwirtschaftlichen Unternehmen ermöglichen, ihre Leistungsfähigkeit mit größter Genauigkeit zu verfolgen. Datenströme in Echtzeit werden Landwirten und Banken ermöglichen,  den gesundheitlichen Zustand der Getreideernte und des Viehbestandes kontinuierlich zu beurteilen. Außerdem können der zu erwartete Gewinn, die Entwicklung des Vermögens und der gesamte Unternehmenswert jederzeit ermittelt werden. Landwirte und ihre Banken werden bei der Erstellung von Finanzierungs- und Liquiditätsplänen nicht länger auf vergangenheitsbasierte Daten angewiesen sein. Die zur Verfügung stehenden Daten werden es der Bank of things ermöglichen, flexible und der jeweilig aktuellen Situation angepasste Tilgungsvereinbarungen zu erstellen.

Im dritten und letzten Szenario schauen wir auf einen Landwirt in der Zukunft, der im Minutentakt Daten zu allen Bereichen seiner Landwirtschaft misst. So erhält er Einblicke über den Zustand der Böden und des Getreides, sowie über Düngermengen, die Gesundheit des Viehbestandes und auch über den Zustand der Landmaschinen und Fahrzeuge. Diese Daten werden täglich an die Bank übermittelt. Diese wiederum nutzt die Fülle der Daten, um den Wert des Viehbestandes, des Feldinventars und der Maschinen sowie den voraussichtlichen Gewinn zu ermitteln und passt darauf aufbauend kontinuierlich die frei zur Verfügung stehenden Kreditmittel an. Der Landwirt wiederum spielt mit dem Gedanken, eine in die Jahre gekommene Erntemaschine zu ersetzen. Dies hat die Bank of things bereits vorhergesehen und dem Landwirt bereits im Vorfeld eine entsprechende Finanzierung bewilligt. Nach Weiterleitung zu einer einfachen Anwendung kann der Landwirt diese Finanzierung bestätigen und Minuten später über die Geldmittel verfügen. Die Auswirkungen dieser Anschaffung und ihrer Finanzierung werden unmittelbar in der Bilanz des Unternehmens berücksichtigt.

Die beschriebenen Szenarien sind gar nicht so weit entfernt, wie man meinen möchte. Der mit dem Internet der Dinge verbundenen Technik und den darauf aufbauenden Dienstleistungen wird ein Umsatzwachstum von 4,8 Billionen US $ in 2012 auf 8,9 Billionen US $ in 2020 vorhergesagt. Zusammenfassend bedarf es für ein Ökosystem, das sich an den Fähigkeiten einer Bank of things orientiert, dieser drei Dinge:

  1. Die richtigen Partnerschaften
  2. Kollektive Daten-Analysen
  3. Die Fähigkeit, sich zu vernetzen.

Wir sind gespannt auf eine Zukunft mit zahlreichen Erleichterungen in einer Vielzahl unserer täglichen Gewohnheiten!

 

 

 

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