Blockchain-Technologie verdient Aufmerksamkeit

Veröffentlicht von Wibke Ziegler / 3. November 2015 / , / 5 Kommentare

Am 15. September 2015 wurde über eine Kooperation von neun der weltgrößten Banken mit dem FinTech R3 CEV berichtet, die untersuchen will, wie die Blochchain-Technologie genutzt werden kann. Schon wenige Tage später haben sich am 29. September 2015 dieser Kooperation 13 weitere Banken angeschlossen und Finextra berichtet am 28. Oktober 2015 von drei weiteren. In Deutschland sind die Commerzbank, die Deutsche Bank und die HSBC Trinkaus & Burkhardt dieser Kooperation beigetreten. Der Neugier nachgebend, wollte ich erstmal wissen, wie die Blockchain-Technologie funktioniert, wo diese Technologie eingesetzt wird und welche weiteren Einsatzmöglichkeiten vorstellbar sind.

Wie die Blockchain-Technologie funktioniert

Die Blockchain-Technologie fand bisher überwiegend im Zusammenhang mit der Kryptowährung Bitcoin Beachtung. Eine Erklärung zur Funktionsweise fand ich bei www.blockchaintechnologies.com. Hiernach ist eine Blockchain eine Art von verteilter Buchhaltung, bestehend aus unveränderlichen, digital gespeicherten Daten, die in Paketen (blocks) zusammengefasst sind. Diese Blocks werden in einer linearen Kette (chain) in der Reihenfolge vom ältesten zum neuesten gespeichert, indem nur neue Blöcke hinzugefügt und vorhandene Blöcke nicht geändert werden können. Jeder Block in der Kette enthält Daten (z. B. eine Bitcoin-Transaktion), ist kryptographisch gehasht und beinhaltet einen Hash des vorherigen Blocks, so dass sichergestellt ist, dass die gesamte Kette nachvollziehbar bleibt. Um sicher zu gehen, dass Daten in einem Block nicht geändert wurden, wird im Rahmen eines Minings (Hashbildung) jeder Block in der Kette überprüft, ob er seit der ersten Eingabe nicht verändert wurde. Aus der Sicht eines Mining-Computers (Miner) ist jeder Block eine mathematische Rechenaufgabe, die gelöst werden muss. Verfügt der Mining-Computer über die dafür notwendige Rechenkapazität und löst die Aufgabe fehlerfrei, bestätigt der Miner damit erfolgreich, dass die Transaktion korrekt ist.

Vielseitiger Einsatz möglich

Diese Technik ist jedoch auch in vielen anderen Bereichen vorstellbar, bei denen Eigentumsrechte übertragen werden. Gegenwärtig sind Eigentumsrechte bei verschiedenen Institutionen hinterlegt. So wird Geld bei Banken verwaltet, Immobilienvermögen in Grundbüchern vermerkt, Rechtsgeschäfte durch Notare beurkundet usw. Wenn Eigentum übertragen werden soll, muss auf die jeweilige Institution zugegangen und der Eigentumsübergang in Auftrag gegeben werden, bevor die Institution die Eigentumsrechte überträgt. In der Blockchain-Technologie wird das Wissen über Eigentumsrechte mit jedermann geteilt. Ein jeder hat sein persönliches Verzeichnis darüber, wem was gehört. Die persönlichen Verzeichnisse werden in regelmäßigen Abständen verglichen, ob sie übereinstimmen. Bei einer Geschäftsabwicklung übertragen sowohl Käufer als auch Verkäufer die Transaktion und nach einer Überprüfung, ob die Transaktion gemäß den vereinbarten Bedingungen abgewickelt wird, hat jeder seine persönlichen Verzeichnisse zu aktualisieren. Im letzten Schritt werden wieder alle persönlichen Register gegenseitig verglichen. Herrscht Uneinigkeit über den Inhalt, ist das am häufigsten verwendete Register als das „wahre“ akzeptiert. Das folgende Schaubild der Financial Times veranschaulicht diese Vorgehensweise:

bild_blockchain

Wo findet die Blockchain-Technologie Anwendung?

Ethereum machte im September 2014 als eines der höchsten finanzierten Crowdfundings auf sich aufmerksam. Mit einer eigenen Blockchain will Ethereum jede Form von programmierbaren Verträgen abwickeln. Die Blockchain speichert dazu nicht nur Beträge (wie bei Bitcoin), sondern komplette Programme, die sich dann dezentral selbst ausführen. Ethereum wird z. B. von der Wettplattform augur genutzt, die das Geschäft mit Prognosemärkten global machen will, sowie von HitFin, einer Handelsplattform für Derivate im außerbörslichen Handel. Und Microsoft führt ein Toolkit ein, dass es unternehmerischen Nutzern erlaubt auf dem Ethereum Protokoll aufzubauen.

Sollte sich die Blockchain-Technologie weiter etablieren, wären in Zukunft Banker und Broker nicht mehr notwendig. Die oben genannte Kooperation von inzwischen 25 der weltgrößten Banken unterstreicht das Potenzial der Blockchain-Technologie.

 

 

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