Digitalstrategie, ja. Know-How, nein.

Veröffentlicht von Anja Gempler / 4. Dezember 2015 / , , , / 0 Kommentare

Die Studie „Deutscher Markenreport Spezial“, die die Münchner Agentur Brandoffice zusammen mit der Fachzeitschrift Absatzwirtschaft 2015 durchgeführt hat, liefert interessante Ergebnisse. An der Online-Befragung nahmen rund 100 Markenentscheidern in Deutschland teil. Untersucht wurde der Einfluss der Digitalisierung auf die Markenführung.
Eine Zusammenschau der Ergebnisse stellt Brandoffice im Netz zur Verfügung.

Die Markenführung wird zunehmend durch die Digitalisierung beeinflusst, welche auch dazu führt, dass viele Unternehmen ihre Markenpositionierung überdenken und ihr Geschäftsmodell weiterentwickeln (50% der Befragten) sowie digitale Produktneuheiten einführen (59% der Befragten).

Langfristige Visionen und Missionen werden von rund 50% der Befragten neu aufgelegt und sogar den eigenen Markenwerten geht es an den Kragen. Jede vierte Marke will diese neu definieren. Auch ihr Markendesign erscheint vielen im Zuge der Digitalisierung veraltet. Zwar ist die medienübergreifende visuelle Konsistenz der Marke Pflicht (97%) die Verantwortlichen wollen jedoch mehr Flexibilität ihres visuellen Markenauftritts gemäß der Dynamiken interaktiver Medien (75%) erreichen.

Der Wille und das Bewusstsein scheinen also da zu sein, doch laut der Studie fehlt es an Wissen, Kompetenz, Know-How und Instrumenten, das digitale Markenpotenzial auch tatsächlich auszuschöpfen. Digitalwissen und eine ganzheitliche Digitalstrategie sind in mehr als der Hälfte der befragten Unternehmen Fehlanzeige. Auch das Budget ist oft zu knapp (45%), Kundendaten sind unvollständig (45%) und vernetzte Datenbanken fehlen (43%).

 

 

Quelle: http://brandoffice.com/deutscher-markenreport-spezial-2015-digitale-markenfuehrung/

Quelle: http://brandoffice.com/deutscher-markenreport-spezial-2015-digitale-markenfuehrung/

 

„Marken müssen im digitalen Zeitalter ihre Kompetenzen mit höherer Dynamik und Konsequenz als früher weiterentwickeln, um auch in Zukunft an gesellschaftlichen Megatrends partizipieren zu können“, erklärt Andreas Heim, Geschäftsführer Markenstrategie bei Brandoffice und Leiter der Markenstudie. „Der Veränderungsprozess muss für Mitarbeiter und Kunden aber nachvollziehbar gestaltet werden. Die Kunst ist, daher die Markenkompetenzen konsequent zu erneuern, ohne den Charakter grundlegend zu verändern und beliebig zu werden.“

Wichtig ist, dass die digitale Markenführung auch für die Kunden greifbar und spürbar ist. Doch genau hier steckt die Krux. Der persönliche Dialog mit der Zielgruppe besitzt nicht die Qualität, die benötigt wird, um den Kunden mitzunehmen.

Die Ergebnisse der Studie lassen sich, wie ich finde, gut auf die Finanzbranche übertragen. Wobei in meinem Erleben das Bewusstsein für die Bedeutung der Digitalisierung und einer damit verbundenen Digitalisierungsstrategie gerne noch größer sein könnte und im Vergleich zu anderen Branchen in der Breite hinterherhinkt. Dass an vielen Stellen Wissen, Kompetenzen, Know-How und Instrumente fehlen, unterschreibe ich an dieser Stelle ebenfalls. Dies sieht man unter anderem deutlich an den Erfahrungen, die etablierte Banken heute mit der wachsenden Anzahl an Fintechs machen. Es wird entscheidend sein, wie schnell endlich allen Bankern klar wird, dass uns eine digitale Zukunft bevorsteht, deren Weg wir heute bereiten müssen. Gerne in auch Kooperation mit den Fintechs.

Ein ebenfalls wesentlicher Punkt aus der Studie ist für mich die Erkenntnis, dass der persönliche Dialog mit dem Endverbraucher noch nicht die Qualität besitzt, die er haben sollte. In diesem Zusammenhang finde ich es wichtig, die Mitarbeiter, die an dieser Stelle direkt im Kundenkontakt sind sowie als Multiplikatoren von Visionen agieren, gleich zu Beginn ins Boot mitzunehmen, damit sie verstehen, welche Bedeutung die Digitalisierung für die Branche und für ihr eigenes Unternehmen hat. Nicht nur das Management muss überzeugt davon sein, dass dies die Zukunft bedeutet, sondern auch alle anderen.

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