paydirekt – Interview mit Dr. Niklas Bartelt

Veröffentlicht von Thomas Hochfeld / 7. Januar 2016 / , , / 1 Kommentar

Mit paydirekt  haben Ende des vergangenen Jahres die deutschen Bankengruppen gemeinsam dem großen amerikanischen Rivalen PayPal versucht, Paroli zu bieten. Paydirekt ist das neue, sichere Online-Bezahlverfahren, das direkt an das eigene Konto und Online-Banking der Hausbank geknüpft ist und somit im Gegensatz zum amerikanischen Mitbewerber ein deutliches Plus an Käufer- und Händlerschutz bietet. Eigens für dieses Projekt wurde die paydirekt GmbH gegründet. Der Geschäftsführer von paydirekt, Dr. Niklas Bartelt, hat sich zu einem Interview bereit erklärt.

 

Können Sie uns kurz und kompakt die Vorteile von paydirekt und die Gründe der Einführung nennen?
Warum paydirekt: Der e-Commerce und mit ihm der Markt für Online-Bezahlverfahren wächst. Auch in Deutschland zahlen immer mehr Käufer online. Das haben die Banken aufmerksam beobachtet und sich entschieden, ein Verfahren entwickeln zu lassen, dass den Bedürfnissen ihrer Kunden und den aktuellen technischen Standards entspricht. Die Marktforschung bestätigt diesen Entschluss übrigens, sehr viele, auch digital affine Kunden wünschen sich ein Bezahlverfahren ihrer eigenen Bank.
Zu den Vorteilen: paydirekt ist derzeit das einzige Verfahren ohne zwischengeschaltete Drittanbieter – also direkt vom eigenen Konto. Sensible Käuferdaten wie die Kontonummer bleiben im sicheren Bereich der Bank. Für den Händler ist die Authentifizierung durch die kontoführende Bank und die sofortige Überweisung attraktiv. Bezahlen mit paydirekt ist für den Käufer einfach, Nutzernamen und Passwort reichen aus. Und sicher: deutscher Datenschutz, Beachtung der strengen regulatorischen Vorgaben und Käuferschutz. Für den Händler ist die technische Anbindung kein Problem und die Zahlungsgarantie durch die Bank ist ein attraktives Argument. Außerdem: noch zahlen in Deutschland viele Menschen nicht online – häufig aufgrund von Sicherheitsbedenken. Die Marktforschung zeigt, dass auch in dieser Zielgruppe ein Verfahren der eigenen Bank auf Zustimmung träfe – damit ist es für den Händler möglich, eine neue Käufergruppe zu erschließen. Und schließlich: Käufer wie Händler führen ein Konto bei einer deutschen Bank, haben also die banküblichen Know your Customer Prozesse nach deutschen Standards durchlaufen – auch das gibt beiden Seiten Sicherheit.

Dr. Niklas Bartelt
Geschäftsführung
paydirekt GmbH

Paydirekt ist im November bei vielen Volksbanken Raiffeisenbanken gestartet. Wie haben Sie den Start und die darauf folgende Resonanz der Genossenschaftsbanken erlebt?
Vor allem technisch unproblematisch. Die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Bankprojekten läuft reibungslos, das Projekt macht wirklich Spaß.

Ein Kritikpunkt zum Start ist die fehlende Anbindung von namhaften Online-Shops. Was dürfen wir hier in naher Zukunft von paydirekt erwarten?
Mit vielen, auch großen Händlern laufen derzeit Gespräche. Beim Top Ten Händler Alternate können Sie inzwischen mit paydirekt bezahlen. Der Metro Konzern hat bereits angekündigt, das Verfahren einführen zu wollen. Es dauert aber an der einen oder anderen Stelle doch ein bisschen länger, als im Idealfall angenommen. Aus kartellrechtlichen Gründen muss jeder Händler derzeit mit insgesamt sieben sogenannten Bankenkonzentratoren über die individuellen Bedingungen sprechen. Und grade jetzt im Weihnachtsgeschäft gibt es andere Prioritäten. Ich bin aber sicher, dass sich die Situation bei den Händlern im Laufe des nächsten Jahres deutlich verändern wird.

Weshalb sollten Händler Ihrer Meinung nach paydirekt dem Mitbewerber PayPal vorziehen?
Hier geht es ja nicht um „vorziehen“, in der Regel ist das beim Händler ja keine „Oder“- sondern eine „Und“-Entscheidung. Ich hatte Ihnen ja oben schon die Vorteile geschildert, die unserer Verfahren aus unserer Sicht für die Händler hat: Sicherheit, einfache Anbindung, neue Käuferpotenziale. Ein ganz relevanter Faktor ist natürlich der Nutzer: Mit steigender Nutzerzahl steigt normalerweise auch das Händlerinteresse. Im Moment sind wir mit den Registrierungen mehr als zufrieden, wir haben mehrere tausend Registrierungen pro Tag – und das vor offiziellem Marktstart, ohne breite Kommunikationsmaßnahmen und nur mit einem Teil der Banken. Nach rund vier Wochen hatten wir die 100.000er Marke durchbrochen. Wir spüren schon, dass unser Verfahren definitiv auf großes Interesse bei den Nutzern stößt.

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Sicher. Einfach. Dies ist die Kernaussage von paydirekt. Leider gestaltet sich das „einfach“ bei der Anbindung der Händler und den damit verbundenen Entgeltverhandlungen aus eigener Erfahrung als etwas schwierig und umständlich. Wie wird man dieser Aussage zukünftig gerecht werden?

Die technische Anbindung ist einfach, das bestätigen unsere Händler und auch die Payment Service Provider. Die aktuelle Vorgehensweise bei den Entgeltverhandlungen folgt den Vorgaben des Bundeskartellamtes. Wir sind hier derzeit noch in der Abstimmung von Prozessen, die alternative Beitrittsmöglichkeiten ermöglichen.

Werfen wir mal einen Blick in die Glaskugel: Was dürfen wir von paydirekt in naher Zukunft noch alles erwarten?
Zunächst mal freuen wir uns, wenn – voraussichtlich zum Frühjahr – alle Banken und Sparkassen aufgeschaltet sind und wir eine attraktive Händlerauswahl haben. Parallel sind wir aber schon dabei, mögliche Weiterentwicklungen zu prüfen. Dazu gehören z. B. die weitere Verbesserung unserer Portale für Käufer und Händler, aber auch das Bezahlen am Point of Sale, also das sogenannte Mobile Payment, der Gang über die Grenzen oder Peer to Peer-Zahlungen. Auch hier werden uns unsere Kunden helfen, die verschiedenen Möglichkeiten richtig zu priorisieren.

Nun noch eine persönliche Einschätzung von Ihnen: Wann werden wir mit Paydirekt am Point-of-Sale bezahlen können?
Dann, wenn der deutsche Markt so weit ist und es ein breites Nutzerinteresse gibt.

Vielen Dank für das Interview

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