Wie steht es eigentlich um die R3-Blockchain Revolution?

Veröffentlicht von Maik Franke / 24. Mai 2016 / , , / 1 Kommentar

Ende letzten Jahres hat Wibke Ziegler über die Blockchain-Technologie gebloggt. In diesem Artikel soll es jedoch nicht wieder über die technischen Hintergründe gehen, sondern darüber was aus dem damaligen Hype um das Startup R3CEV wurde, die vorhatten, mit vielen Großbanken etwas mit der Blockchain Technologie zu machen. Wer mit dem Begriff Blockchain noch nichts anfangen kann , sollte sich vorher definitiv diesen Artikel durchlesen.

„Blockchain hat das Zeug dazu, Swift abzulösen.“ „Ganze Geschäftsbereiche traditioneller Banken könnten durch Blockchain überflüssig werden.“ Solche und ähnliche Aussagen haben  einen riesigen Wirbel um das bei Bitcoin-Transaktionen verwendete System ausgelöst. Als dann 45 Großbanken im R3CEV Startup aktiv wurden, war klar, dass Blockchain kein Hirngespinst von den Anhängern diverser Krypto-Währungen mehr ist, sondern tatsächlich das nächste ganz große Ding werden könnte. Plötzlich wurde es zu einer ernstzunehmenden – für Banken vielleicht sogar bedrohlichen – Technologie erklärt, deren Anwendungsgebiete und Potentiale es zu erkunden galt.

R3 Chefingenieur Richard Gendal Bown hat Anfang April die ersten Details zu „Corda“ gebloggt. Corda, so soll das System heißen, welches R3 auf die Beine stellt und von dem so viel erwartet wird.  Während Blockchain-Anhänger enttäuscht sind, weil sie eine disruptive Innovation erwartet haben, die die Bankenlandschaft durchrütteln sollte, können sich die Banken über ein Buchungssystem freuen, das vor allem die internationale Geschäftsabwicklung auf einen zeitgemäßen Standard bringt. Corda wird uns definitiv keine echte Blockchain bringen, lehnt sich in vielen Punkten aber doch an die Technologie an. Im Gegensatz zum aktuellen Swift System, welches ein Leitungsnetz, ausgehend von 3 großen Rechenzentren unterhält, funktioniert Corda dezentral. Der Gedanke von Richard Gendal Brown war folgender:

„Wenn man immer in der Lage sein möchte sein eigenes Geld auszugeben, dann darf die Kontrolle nicht bei einem zentralen Punkt liegen. Er könnte von Autoritäten heruntergefahren werden…sehr schnell wird klar, dass man ein massiv repliziertes System benötigt.“

Im Gegensatz zur Bitcoin-Blockchain findet der Austausch allerdings nur zwischen regulierten Finanzdienstleistern und nicht direkt zwischen Privatpersonen statt. Corda wird über sogenannte „observer-nodes“ verfügen, also Knotenpunkte für Regulierer und Aufsichtsbehörden. Bei der Bitcoin-Blockchain Technologie sind zwar Transaktionen für alle sichtbar, der verschlüsselte Inhalt jedoch nicht. Wie viel Einsicht diese Knotenpunkte geben, ist im Detail nicht beschrieben, um den Regulierungsanforderungen gerecht zu werden kann man jedoch davon ausgehen, dass es Anonymität auf Niveau einer Bitcoin Transaktion nicht geben wird.

Was uns Corda bringt, ist ziemlich weit entfernt von der prophezeiten Blockchain Revolution. Für die Finanzbranche könnte sich Corda dennoch als einen großen Schritt nach vorne herausstellen.

Kommentare

Ein Kommentar

  • Leadvise
    25. Mai 2016 bei 15:19

    Hallo Herr Franke,

    sehr schönes Update über die Aktivitäten des R3 Konsortiums. Es wird viel über R3 geschrieben, allerdings ist gerade im deutschsprachigen Internet wenig konkretes über Pläne und Aktivitäten des R3 zu lesen.

    Es war sicherlich zu erwarten, dass ein Bankenkonsortium keine offene Blockchain konzipieren wird, da sie damit die Kontrolle aus der Hand geben würde. Ganz abgesehen von den noch immer nicht ausgeräumten Sicherheitsbedenken. Die Wahl einer privaten bzw geschlossenen Blockchain ist neben der Interessenswahrung der Banken wohl auch den Regulierungsstellen zuzuschreiben.

    Spannend bleibt, ob sich die Banken des R3 Konsortiums damit selbst ins Aus manövrieren und den Fintechs oder den großen Technology Spielern wie Apple und Google Tür und Tor für eine Disruption öffnen. Neu an der Situation ist, dass der Kunde in Zukunft erstmals die Wahl haben wird zwischen wirklich unterschiedlichen Konzepten, statt wie bisher lediglich zwischen unterschiedlichen Ausprägungen des Konzepts eines zentralisierten Finanzmarkts wählen zu dürfen.
    Es wird sich zeigen, ob der technologische Fortschritt bei den dezentralen Konzepten ähnlich wie beim Internet abermals zu digitalen Mono- bzw Oligopolen führen wird (Amazon, Facebook, Google etc.) oder ob die gestiegene Wertschöpfung allen Beteiligten zugute kommen wird.

    Technologisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich sind das äußerst spannende Entwicklungen, von denen in Deutschland jedoch kaum jemand Notiz zu nehmen scheint.

    Gerade erst hat eine digitale Organisation ohne Chefs und Mitarbeiter an die 150 Mio. USD an Mitteln eingesammelt, um diese über einen dezentralen autonomen Konsensmechanismus zu investieren. Das sind revolutionäre Entwicklungen, die im gesellschaftlichen und politischen Diskurs in Deutschland so gut wie nicht statt finden. (Details beispielsweise in unserem Blockchain Blog unter http://www.leadvise.de/blog/dao )

    Daher noch einmal vielen Dank, dass Sie das Thema bloggen und darauf aufmerksam machen.

    Freundliche Grüße
    Stefan Gössel

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