Fintechs – eine Studie der Investitionsbank Berlin

Veröffentlicht von Wibke Ziegler / 5. September 2016 / , / 0 Kommentare

Die aktuelle Studie der Investitionsbank Berlin „Fintechs in Berlin – Eine Standortbestimmung“ kommt zu dem Ergebnis, dass Berlin nun auch im Teilbereich Fintech als Startup-Standort Nummer Eins die führende Rolle einnimmt. Die Studie geht zwar zunächst auf die Attraktivität Berlins für Fintechs ein, untermauert aber auch die Bedeutung von Fintechs sowohl aus globaler als auch aus einer deutschlandweiten Sicht mit interessanten Daten und Fakten.

Zunächst geht die Studie auf die Attraktivität Berlins für Fintechs ein, die durch ein Set verschiedener eng mit einander verflochtener Faktoren begünstigt wird. Im Anschluss wird der Begriff „Fintechs“ definiert und die bedeutendsten Geschäftsfelder der Fintechs – Zahlungsverkehr, Vermögensverwaltung und Sparanlagen, Kreditvergabe sowie Versicherungen – dargelegt. Besonders interessant fand ich die Ausführungen zur Bedeutung der Fintechs. So zeigt die folgende Abbildung den rasanten Anstieg des global zur Verfügung gestellten Venture Capitals, das sich im Jahr 2015 mit ca. 13,8 Mrd. USD gegenüber dem Jahr 2014 mit 6,7 Mrd. USD mehr als verdoppelt hat.

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Globales Investitionsvolumen in Fintechs (Quelle: Fintechs in Berlin – Eine Standortbestimmung, S. 10)

Zunehmende Großtransaktionen mit einem Investitionsvolumen von mehr als 50 Mio. USD sind treibende Kraft hinter dieser Entwicklung. Die folgende Abbildung zeigt, dass im vergangenen Jahr von den 94 Großtransaktionen 61 in Nordamerika, 19 im asiatisch-pazifischen Raum und 14 in Europa getätigt wurden.

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Anzahl Deals mit Volumen größer 50 Mio. USD (Quelle: Fintechs in Berlin – Eine Standortbestimmung, S. 11)

Die Höhe von Fintech-Bewertungen untermauern ebenfalls deren Bedeutung. Von den 163 großen und besonders vielversprechenden Startups, die am Risikokapitalmarkt mit mehr als einer Mrd. USD bewertet werden, den sogenannten Einhörnern (unicorns), befinden sich die in der folgenden Abbildung aufgeführten 19 Fintechs. Von diesen sind 11 in den USA, 4 in Europa und 4 in Asien heimisch.

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Bewertung der Fintechs größer 1 Mrd. USD (Quelle: Fintechs in Berlin – Eine Standortbestimmung, S. 11)

Ein weiterer Indikator für die Relevanz von Fintechs ist die tatsächliche Inanspruchnahme von Fintech-Dienstleistungen. Um ein Bild von der Nutzung von Fintech-Angeboten zu bekommen, hat die Beratungsgesellschaft Ernst & Young in Australien, Hongkong, Kanada, Singapur und den USA unter Anwendern digitaler Angebote eine Umfrage durchgeführt. Das Ergebnis ist der sogenannte Fintech Adoption Index, der Hongkong als klaren Spitzenreiter unter den genannten Ländern ausmacht (vgl. folgende Abbildung).

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Nutzung von Fintech Angeboten (Quelle: Fintechs in Berlin – Eine Standortbestimmung, S. 12)

Die Studie gibt zudem einen Überblick der Fintechs in Deutschland. Zu deren Hauptgeschäftsfeldern gehören bei 44 Prozent der Fintechs Finanzierungslösungen, bei 13 Prozent Angebote zur Geldanlage und bei 9 Prozent die Abwicklung des Zahlungsverkehrs (vgl. folgende Abbildung).

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Geschäftsfelder deutscher Fintechs (Quelle: Fintechs in Berlin – Eine Standortbestimmung, S. 17)

Auch die Bedeutung deutscher Fintechs nimmt zu. So lagen die Investitionen in deutsche Fintechs im Jahr 2015 mit 193 Mio. USD zwar deutlich unter den Investitionen in Fintechs im Vereinigten Königreichs in Höhe von 962 Mio. USD, jedoch ist das Investitionsvolumen im Vergleich zu lediglich 13 Mio. USD im Jahr 2011 deutlich gestiegen. Zur Entwicklung der Investitionen in deutsche Fintechs und in solche aus dem Vereinigten Königreich vgl. die folgende Abbildung.

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Investitionen in deutsche Fintechs (Quelle: Fintechs in Berlin – Eine Standortbestimmung, S. 18)

Als wichtigste Geldquelle der deutschen Fintech-Startups wird das klassische Venture Capital genannt. Herkunftsland der Investoren war in der großen Mehrheit der Fälle Deutschland, gefolgt von den USA und dem Vereinigten Königreich (vgl. folgende Abbildung).

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Herkunft der Investoren (Quelle: Fintechs in Berlin – Eine Standortbestimmung, S. 19)

Des Weiteren untersucht die Studie in welchen Städten und Ländern Fintechs angesiedelt sind. Um die Frage „Was macht Fintechs erfolgreich?“ zu beantworten, wird sowohl auf benötigte Kompetenzen, ein begünstigendes Umfeld und regulatorische Rahmenbedingungen eingegangen. Die Studie schließt mit einer Betrachtung von möglichen Chancen und Risiken. Als Chancen werden das derzeit noch exponentielle Wachstum der Branche und mögliche Lock-in Effekte beschrieben, während ein konservativ geprägtes Nutzerverhalten in Deutschland, die Vertrauenswürdigkeit von Lösungen, die perspektivisch zunehmende Komplexität und der starke Branchenwettbewerb als Risiken erachtet werden.

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