Robo Advisors als digitale Anlageberater: Studienergebnisse

Veröffentlicht von Anna Wößner / 15. September 2016 / , , / 0 Kommentare

Die klassische Anlageberatung bei der Bank steht oft in der Kritik, da sie für viele Anleger einen zu großen, zeitlichen Aufwand darstellt und teilweise mit hohen Abschlussgebühren versehen ist. Warum soll es deshalb nicht sinnvoll sein, den persönlich bekannten Anlageberater durch ein spezielles Computerprogramm zu ersetzen?

In der Finanzwelt scheint es, als schaffe ein vollautomatisierter Geldverwalter den Durchbruch. Dadurch können Verwaltungskosten gespart und Mehrwerte für den Kunden generiert werden. In Deutschland existieren derzeit zwischen 30 bis 40 Unternehmen, meist FinTechs, die sich im Bereich Robo Advice tummeln und rund 120 Millionen Euro verwalten. In regelmäßigen Abständen gelingt der Markteintritt auch neuen Anbietern, wie Vaamo, Fintego und Ginmon. Abgesehen von diesen FinTechs und Start-Ups haben erste Investmentgesellschaften und Direktbanken damit begonnen, eigene Lösungen zur Online-Geldanlage zu entwickeln oder eine Kooperation mit einem FinTech einzugehen.

Wie funktioniert Robo Advice?

Robo Advisors kommen vor allem in der Online-Vermögensverwaltung und in der Online-Anlageberatung zum Einsatz. Sie verfolgen das Ziel, durch eine leicht verständliche, transparente und unkomplizierte Geldanlage die Kundenwünsche zu erfüllen. Im Kern werden dabei die Vermögensberater durch ein Computerprogramm ersetzt. Dabei gibt der Anleger seine persönlichen Angaben und Anlageziele online in eine Plattform ein und beantwortet standardisierte Fragen, wodurch die Risikobereitschaft des Anlegers eingeschätzt wird. Abhängig von dem jeweiligen Robo Advice Programm wird anhand dieser Daten entweder eine automatisch erstellte, konkrete Anlageempfehlung für den Kunden ausgesprochen oder lediglich eine Auswahl an möglichen Wertpapieren gezeigt, welche auf einem mathematischen Berechnungsverfahren basiert. Handelt es sich um eine vollständige Anlageberatung, müssen hierbei auch die regulatorischen Anforderungen, z.B. ein Beratungsprotokoll berücksichtigt werden. Robo Advice bietet Banken eine Möglichkeit zur Senkung der Beratungskosten und zur Erweiterung des Online-Angebots für ihre Kunden. Dies erscheint besonders vor dem Hintergrund der zunehmenden Regulatorik und der Niedrigzinsphase als eine spannende Option, um die Anlageberatung effizient und kostengünstig zu managen.

Bankkunden noch zurückhaltend

Die Ergebnisse einer Studie von PwC zeigen, dass die Mehrheit der Bankkunden sehr zurückhaltend gegenüber der Geldanlage durch Robo Advice ist. Bei der Umfrage wurden insgesamt 1000 Privatkunden befragt und es hat sich gezeigt, dass lediglich 4 Prozent bisher Berührungspunkte mit Robo Advisors hatten. Bisherige Nutzer sind meistens erfahrene Kunden mit Anlagekenntnissen, die ihre eigene Risikobereitschaft sehr gut kennen. Nur jeder sechste der Befragten ist diesem Thema gegenüber aufgeschlossen und könnte sich vorstellen eine Robo Advice Plattform zu testen. Dagegen haben 25 Prozent der Umfrageteilnehmer noch nie von Robo Advisors gehört und über ein Drittel ist der Auffassung, dass sie dieses Anlageangebot in Zukunft nicht nutzen möchten. 23 Prozent haben sich bisher keine Gedanken zum Thema Wertpapiere gemacht.

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Quelle: https://www.pwc.de/de/finanzdienstleistungen/banken/assets/pwc-befragung-privatkundengeschaeft-der%20-zukunft.pdf, Seite 14.

Mit dem Argument, dass Anleger durch Robo Advice jedoch Gebühren bei der Geldanlage sparen können, gab knapp die Hälfte der befragten Privatkunden an, das Computerprogramm ihrem persönlichen Anlageberater vorzuziehen. Allerdings erwarten 41 Prozent durch die Nutzung von Robo Advice auch höhere Renditen im Vergleich zur klassischen Anlage. 43 Prozent sind der Auffassung, dass An- und Verkauf von Wertpapieren mit Hilfe eines Robo Advisors schnell und unkompliziert möglich ist. Trotz der verhältnismäßig niedrigen Quoten der Befragten, die dem Thema Robo Advice gegenüber aufgeschlossen sind, wünscht sich ein Drittel der Privatkunden, dass ihre Bank diesen digitalen Service anbietet. Des Weiteren würden 32 Prozent der Umfrageteilnehmer eher den Empfehlungen des Robo Advisors vertrauen als denen des Anlageberaters. Wird speziell der Handel mit Wertpapieren betrachtet, vertraut knapp jeder Dritte der Befragten den Anlageempfehlungen eines Robo Advisors.

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Quelle: https://www.pwc.de/de/finanzdienstleistungen/banken/assets/pwc-befragung-privatkundengeschaeft-der%20-zukunft.pdf, Seite 15

Fazit

Die aktuell bestehenden Robo Advisors sind häufig noch zu komplex und zeitaufwendig gestaltet. Vorhandene Kundendaten werden vom Robo Advisor nicht genutzt, sodass der Kunde eine hohe Anzahl von Fragen beantworten muss, wodurch sich die Dateneingabe in die Länge zieht. Demnach stecken Robo Advisors noch in den Kinderschuhen, auch wenn für die nächsten Jahre besonders in Deutschland ein rasantes Marktwachstum erwartet wird. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die computerbasierte Anlageberatung den Menschen komplett ersetzen wird. Vor allem bei der langfristigen Vermögens- und Vorsorgeplanung wird der kompetente und persönliche Finanzberater für die Kunden noch an erster Stelle stehen. Fraglich ist auch, wie viele Robo Advice Anbieter schlussendlich im Markt überleben können, da die Robo Advisors noch keine Erfolgsbilanz über mehrere Jahre aufweisen können und erst zeigen müssen, dass sie auch in schwierigen Marktsituationen erfolgreich funktionieren.

 

 

 

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