Gesichtserkennung statt Fingerabdruck: mit Herausgabe des neuen iPhone X wurde bekannt, dass Apple ein neues Verfahren zur Nutzeridentifikation einführt. An die Stelle des Fingerabdruckscans tritt  – wegen der nahezu randlosen Form – die Gesichtserkennung Face ID. Die alltägliche Nutzung der Technologie zur Gesichtserkennung nimmt jedoch nicht nur durch das neueste iPhone zu, sondern wird auch in Fastfood Restaurants, wie KFC, beim Einchecken am Bahnhof und Flughafen oder auch im Bankenbereich eingesetzt.

Wie funktioniert Face ID?

Eine Infrarotkamera leuchtet das gesamte Gesicht ab, wodurch ein Netz aus Infrarotpunkten auf dem Gesicht des Nutzers projiziert wird. Mit Hilfe dieses Infrarotbildes wird eine Reihe zweidimensionaler Bilder und eine Art Höhenprofil errechnet. Die gewonnen Daten werden digital signiert und verschlüsselt auf dem Gerät gespeichert. Die Bilder sollten jedoch regelmäßig aktualisiert werden. Zum Entsperren mittels Face ID ist es unbedingt notwendig, dass der Nutzer die Augen geöffnet hat, damit die Entsperrung bei schlafenden Menschen ausgeschlossen werden kann. Das System ist laut Apple sicherer, als der zuvor verwendete Fingerabdruckscanner. Des Weiteren sollen Fototricks und Gesichtsmasken das System ebenfalls nicht überlisten können.

Gesichtserkennung in China als Generalschlüssel

In China ist die Gesichtserkennung ein alter Hut. Dort wird das menschliche Gesicht bereits als Universalschlüssel bezeichnet, da die Gesichtserkennung eine zentrale Rolle im Alltag eingenommen hat. Laut einem Bericht von Technology Review ist die Gesichtserkennung in China nicht mehr wegzudenken. Ist es der Zugang zum Büro, das Einchecken am Bahnhof und Flughafen oder der Abschluss eines Kreditvertrags, die Gesichtserkennung ist ständiger Begleiter im Alltag. Einige dieser Anwendungen basieren dabei auf der gleichen Software: Face++. Sie wurde von einem Start-Up aus Peking gegründet und wird bereits in 150 Ländern auf unterschiedlichste Weise eingesetzt. Auch im chinesischen Web ist diese Software ein fester Bestandteil, sei es beim Online-Shopping oder Online-Banking.

Mit einem Lächeln Bargeld abheben

Die Agricultural Bank of China ist vor ein paar Wochen dem Trend der Merchant Bank gefolgt und nutzt die Technologie zur Gesichtserkennung in einigen ihrer Zweigstellen. Hierbei reicht ein Lächeln in die Kamera des Geldautomaten aus, um an sein Geld zu gelangen.

Die Merchant Bank verwendet die Möglichkeit der Face ID zur Identifikation bei Bankomaten bereits in 105 Städten in ganz China. Demnach können Kunden Geld von Automaten abheben, wenn sie in eine Kamera blicken, die ihr Gesicht scannt. Diese Scanner verfügen über einen Infrarotzusatz, der ein echtes menschliches Gesicht von Bildern und Gesichtsmasken unterscheiden kann. Die China Merchants Bank erlaubt ihren Kunden, pro Tag ein Maximum von 3.000 Yuan an Geldautomaten per Gesichtserkennung abzuheben. Die Sicherheit wird erhöht, in dem der Kunde zusätzlich seine Handynummer und ein Bankkonto-Passwort eingibt. Eine Bankkarte zum Erhalt von Bargeld ist hierbei nicht mehr erforderlich. Oftmals wird auch die Bewegung des Gesichts oder eine zusätzliche Sprachfunktion verlangt, um Manipulationen zu verhindern.

Ist die Gesichtserkennung sicher?

Bei der Nutzung der Gesichtserkennung von Apple wird betont, dass Fehler bei eins zu einer Million liegen und daher die Sicherheit der Face ID die des Fingerabdruckscanners bei weitem übersteigt. Fehler können jedoch gerade bei Zwillingen oder ähnlich aussehenden Geschwistern nicht ausgeschlossen werden. Datenschützer sind alarmiert, weil sie die Befürchtung haben, dass sich die Akzeptanz der Gesichtserkennung zu schnell verbreitet, da diese Technologie auch zu Überwachungszwecken eingesetzt werden kann. Das schnelle Auffinden einer Person oder auch die Verbrecherjagd mit Hilfe von Überwachungssystemen wäre um einiges einfacher. Von unerlässlicher Wichtigkeit ist es, dass die Software zur Gesichtserkennung, unabhängig für welchen Zweck sie genutzt wird, einfachen Tricks, wie Fotos oder Masken standhält. Zusätzlich können auch weiterhin alphanumerische Codes oder PINs zur Sicherung des Geräts genutzt werden, die in regelmäßigen Abständen und bei jedem Neustart angefordert werden.

Abschließend lässt sich sagen, dass diese Entwicklungen in jedem Fall zukunftsweisend und der Phantasie zur Nutzung dieser Technologie keine Grenzen gesetzt sind. Die Vorstellung, die Gesichtserkennung auch im privaten Leben zu nutzen, scheint bei einem Blick nach China nicht mehr allzu abstrus. Haustüren, die sich für Freunde nach einem kurzen Scan des Gesichts automatisch öffnen, können in der Zukunft durchaus vorstellbar sein. Auch wenn die digitale Welt Chinas in Deutschland noch nicht so greifbar erscheint, werden auch hier vermehrt biometrische Sicherheitssysteme, wie z.B. die Verhaltensanalyse beim Online Banking, angewandt. Sicherheit und Datenschutz sind und bleiben bei diesem Thema jedoch weiterhin das A und O.

Shares
Von | 2017-10-09T14:59:33+00:00 9. Oktober 2017|Allgemein|0 Kommentare

About the Author:

Anna Wößner
Controlling & Rechnungswesen bei der Volksbank Bühl /// Bachelor of Arts, Fachrichtung BWL Bank

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Shares