Wir, die InnovationsWerkstatt, beschäftigen uns seit geraumer Zeit mit diesem spannenden Thema. Wir suchen, lesen und tragen zusammen, aber vor allem diskutieren wir. Als bunter Mix der Generationen Y und X diskutieren wir über die Zukunft des Arbeitens, unsere Zukunft. Dabei sind uns drei zentrale Themen und ihre Ausgestaltung wichtig:

ZEIT

Arbeit ist nicht mehr die Zeit, die wir getrennt vom übrigen Leben am Arbeitsplatz verbringen, sondern zunehmend integraler Bestandteil unseres Lebens. Der bisher geprägte Begriff Work-Life-Balance wird durch Life-Work-Cycle abgelöst. Einer der Kerntrends ist die Flexibilisierung von Arbeitszeit. Unternehmen wollen schnell und flexibel auf Kundenwünsche reagieren und Mitarbeiter sich ihre Zeit bedarfsgerecht einteilen. Einige Unternehmen versuchen, diese Ansprüche über neuartige Arbeitszeitmodelle zu harmonisieren. Ein Beispiel dafür ist der Bergsportausrüster Vaude. Bei Vaude werden individuelle Arbeitszeitregelungen mit den Mitarbeitern getroffen. Diese werden in weit gefasster Form in die Arbeitsverträge aufgenommen und bei veränderter Lage entsprechend angepasst. Außerhalb des Produktionsbereichs herrscht das Prinzip Vertrauensarbeitszeit. Dadurch sind sehr unterschiedliche Arbeitszeitmodelle möglich.

RAUM

Microsoft, easycredit oder das Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation sind jüngste Beispiele für eine Raumgestaltung a lá New Work. Dort gibt es keine festen Arbeitsplätze mehr. Gearbeitet wird dort, wo gerade Platz ist. Dabei stehen offene Bürostrukturen mit Bereichen für unterschiedliche Tätigkeiten zur Verfügung: zur Projekt- und Teamarbeit, für Meetings und für Tätigkeiten, die viel Konzentration und damit einen Rückzug erfordern. Dennoch sind auch klassische Arbeitsplätze für vor allem administrative Aufgaben vorhanden. Ausgedruckt wird nichts mehr, das Büro ist papierlos. Festnetztelefone gibt es ebenfalls nicht mehr. High-End-Technik schafft darüber hinaus Wohlbefinden: So erfolgt beispielsweise die Temperatur- und Lichtregulierung über Sprachbefehle.

FÜHRUNG

Auch wenn die Hierarchien flacher werden, Führungskräfte wird es immer geben. Die Generation Y strebt aber weniger den klassischen Aufstieg an. Doppelspitzen werden üblicher werden, ebenso Teilzeitführungsstellen sowie Mentoringmodelle zwischen Alt und Jung. Gefragt ist nicht mehr Führung in Form von Anwesenheitskontrolle und Überwachung. Führungskräfte der Zukunft müssen vielmehr Ziele benennen, Feedback geben und damit leben können, nicht alles mitzubekommen. Führung bedeutet dann Coaching mit dem klaren Ziel Mitarbeiter zu motivieren und zu unterstützen. Neue Technologien wie zum Beispiel Enterprise 2.0 Lösungen, Chats, Videotelefonie oder schlichtweg Emails helfen dabei, die neue Form der Führung praktikabel zu machen.

Auch wenn physische Anwesenheit immer seltener nötig ist und die Bedeutung des festen Arbeitsplatzes abnimmt, wird das Büro als Ort der Begegnung und Vernetzung immer wichtiger. Regelmäßige Meetings und Firmen-Events sind für Networking und den direkten Kontakte wichtig, um gemeinsame Erlebnisse zu teilen und das gegenseitige Kennenlernen in unterschiedlichen Situationen zu ermöglichen.

Ende der Sitzfleischkultur

Ich bin davon überzeugt, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer von der neuen Art des Arbeitens profitieren. Vertrauen ist dabei das A und O. Neben Kundenbeziehung und Produktangebot, vor allem für das Verhältnis von Führungskräften und Mitarbeitern und den Mitarbeitern untereinander. Als Führungskraft in Teilzeit mit Home-Office-Möglichkeit bin ich selbst ein lebendiges Beispiel für funktionierendes New Work. Ich wünsche mir, dass wir noch viel offener für die oben genannten Themen werden und diese in Zukunft auch umsetzen können.

Abschließend möchte ich Ihnen noch ein Video zeigen, das einen guten Überblick zu zentralen Treibern und Fragen zu New Work gibt und Lust macht auf den Weg zur neuen Arbeitswelt:

 

 

Quellen:
Out of Office Warum wir die Arbeit neu erfinden müssen
Elke Frank und Thorsten Hübschen/ Münchner Verlagsgruppe GmbH, 2015
New Work: Auf dem Weg zur neuen Arbeitswelt Managementimpulse, Praxisbeispiele, Studien
Benedikt Hackl, Marc Wagner, Lars Attmer und Dominik Baumann/ Springer Gabler, 2017
Agiles Arbeiten im Unternehmen Rechtliche Rahmenbedingungen und gesetzliche Anforderungen
Britta Redmann/ Haufe, 2017
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Von | 2017-10-25T10:50:53+00:00 20. Oktober 2017|New Work|1 Kommentar

About the Author:

Meike Boj

Teamleiterin InnovationsWerkstatt
Von ♥ Genossenschaftlerin, die die Zukunft mit Ideen und Innovationen besser machen will
MBA | Karrierepreisgewinner | Mutter | Optimist :)

Ein Kommentar

  1. MarcHeine 21. Oktober 2017 um 16:51 Uhr

    aktuell wird doch nur homöopathisch hier und dort was geändert, so werden neue Arbeitszeitmodelle gestrickt, jedoch keine grundlegende Änderung herbei geführt. Der Arbeitgeber bezahlt x-Stunden und will, dass diese in variabler Zeit erbracht wird. Gute Ideen entstehen jedoch beim spazieren gehen oder spielen mit dem Kind.

    Erlauben Sie mir in diesem Zusammenhang ein Beispiel, die Mobilfunkbranche ist schnelllebig und es wurden div. Modelle entwickelt. Von reinen Minuten-Preise, über Minuten-Pakete von klein bis groß bis zur Innovation von Base, mit einer Sprach-Flat. Die Telefonie wurde durch den Datenverkehr ersetzt und wiederholte sich.
    Bezogen auf die Arbeitswelt befinden wir uns noch immer in den Minuten-/Datenpakete sind aber in der „Flat“ noch lange(?) nicht angekommen. Der Arbeitgeber müsste also unabhängig der Arbeitszeit ein Ziel/Projekt vorgeben und das trauen sich wenige. Erschwerend kommt hinzu, dass es rechtlich abgedeckt sein müsste und gleichberechtigt den Kollegen gegenüber.

    Nach erbrachter Leistung (egal über welches Modell) steht ja bekanntlich auch die Entlohnung, die ja idR monatlich erfolgt. Ein anders gearteter Zyklus, bspw. wie in den USA = wöchentlich, könnte der Arbeitgeber kurzfristig umsetzen.

    In Sachen „Generation-Y“.
    Ist es wirklich richtig, verantwortungsbewusst und wirtschaftlich ein Unternehmen an Generation-Y auszurichten?
    Ist es nicht der Kunde der im Mittelpunkt eines Unternehmens als Dienstleister stehen sollte?
    Was bringen zufriedene Mitarbeiter, wenn keine Kunden vorhanden sind?

    Wie effektiv sind Networking und Team-Besprechungen, gerade bei letztem dürfte die Begeisterung, bei bspw. Herrn Prof. Dr. Gunter Dueck, verhalten ausfallen. Dieser steht bekanntlich für Umbruch und Innovation.

    Bisher gibt es doch noch keinen Masterplan, wie die Transformation erfolgen soll und jeder versucht seine eigene Rezeptur zu finden. Ein zaghaftes Vorgehen dürfte sich jedoch als Flop erweisen. Auf der einen Seite muss der Kunde im Mittelpunkt stehen und auf der anderen das Unternehmen mit dem Fokus auf Technik, wo die einzelnen Fachabteilung/Kompetenzteams sich andocken.

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