Im Rahmen des Workshops „Kunde im Mittelpunkt – Digitalisierung vorantreiben“ der VR-NetWorld durften wir uns als Innovationswerkstatt mit der Methode des Design-Thinkings auseinandersetzen.

In den zwei Tagen des Workshops lernten wir die in der für uns in der Praxis noch unerprobten Methode kennen. Jeder von uns kennt die klassische Projektarbeit, daher war es für uns sehr interessant, mal eine andere Vorgehensweise auszuprobieren.
Kurzgesagt: Diese kreative Methode fokussiert sich darauf, nutzerorientierte Lösungen hervorzubringen und ist angelehnt an Methoden aus dem Design-Bereich. Es handelt sich hierbei um einen iterativen Prozess, der aus sechs Schritten besteht:

  1. Verstehe das Problem
  2. Beobachte –> gehe raus und sprich mit den Menschen oder beobachte sie
  3. Fokussiere, baue zum Beispiel anhand der Beobachtungen einen einzelnen Nutzer
  4. Finde Ideen, um die Bedürfnisse Deines einzelnen Nutzers zu erfüllen
  5. Teste Deine Ideen anhand eines Prototypen
  6. Verfeinere Deinen Prototypen aufgrund der gewonnene Einsichten

 

Workshop

 

Quelle der Grafik: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Design_Thinking_process_in_the_Chapters_Dialogue_project.png

 

In den zwei Tagen, in denen wir die Design-Thinking-Methode durchgespielt haben, sind bei mir zwei Dinge ganz besonders „hängengeblieben“:

  1. „Gehe raus, rede mit den Kunden und verstehe ihre Bedürfnisse“
  2. Der „Kill your Company“ Ansatz, der auch außerhalb des Design Thinkings einsetzbar ist: Was würde ein Startup tun, um unserem Unternehmen möglichst viele Kunden abzujagen?


Was hat eigentlich die VR-NetWorld dazu bewogen, den Workshop bzw. die Design-Thinking-Methode für Banken ins Leben zu rufen?

Peter Jüde (VR-NetWorld): Wir müssen die Digitalisierung der Bankenbranche aktiv gestalten. Viele Volksbanken Raiffeisenbanken beginnen daher in das Thema zu investieren. Hierbei unterstützen auch große bankenübergreifende Initiativen und das zentrale Projekt KundenFokus. Zahlreiche digitale Tools, Services und Apps stehen mittlerweile für den Einsatz bereit. Die meisten Volksbanken Raiffeisenbanken machen so die ersten Schritte, stehen aber noch am Anfang eines Veränderungsprozesses.
Bei diesem Veränderungsprozess spielen nicht nur die Technik und die neuen Möglichkeiten, die dadurch entstehen, eine wichtige Rolle, sondern auch die Organisationsstruktur und -kultur der Bank. Häufig mangelt es – aus unserer Sicht – den Banken dabei an Flexibilität und Agilität.
Die Digitalisierung fordert mit ihrer Komplexität und Schnelligkeit von Banken seit einiger Zeit aber verstärkt flexibel auf Marktveränderungen zu reagieren und einfach mal etwas auszuprobieren. Sie stehen vor der Aufgabe, das Tempo und die Kundenorientierung der FinTechs mitzugehen. Daher ist es eine wichtige Aufgabe der Banken in ihrer Organisationsstruktur und -kultur die Seite der Improvisation, des Ausprobierens und des Vertrauens zu stärken. Für diesen Veränderungsprozess wollen wir mit dem Workshop einen Anstoß und Impuls geben.

Wie sind denn Sie persönlich zu dem Thema gekommen?

Peter Jüde (VR-NetWorld): Im Rahmen von Kundenfokus Privatkunden habe ich in der Initiative „Genossenschaftliche Kundenerlebnisse“ gearbeitet. Das war ein Design-Thinking-Projekt, in dem wir fast ein Jahr, jeweils zwei bis drei Tage in der Woche, in Berlin mit dieser Methode gearbeitet haben. Dabei wurden rund 140 umsetzbare innovative Ideen für neue Tools und Anwendungen generiert und dokumentiert.

Gleichzeitig haben alle Teilnehmer eine neue Art des Arbeitens kennengelernt – kooperativ, an der Sache orientiert, kreativ, offen. Alle Teilnehmer – auch aus den Banken – waren davon begeistert. Die meisten konnten aber von der Arbeitsweise nur sehr wenig mit in die Bank nehmen. Daher wollte ich versuchen, das, was wir in Berlin im Projekt an Methoden, Arbeitsweisen und Kultur gelernt haben, in die einzelnen Häuser zu tragen. So kann die Genossenschaftliche FinanzGruppe nicht nur von den Ideen, sondern auch von einer neuen Kultur, von agilem Arbeiten und der Methode Design-Thinking profitieren.

Was würden Sie sich von den Banken wünschen, um die digitale Zukunft zu meistern?

Peter Jüde (VR-NetWorld):  An erster Stelle wünsche ich mir Begeisterung für Veränderung. Ich freue mich immer besonders, wenn ein Teilnehmer nach dem Workshop sagt: „Jetzt habe ich Lust die Digitalisierung anzupacken, lasst uns loslegen.“ Und natürlich gehört auch Mut dazu, einfach mal neue Dinge auszuprobieren.
Ich glaube, es ist auch wichtig, dass es ein vertrauensvolles und kooperatives Zusammenarbeiten in den Banken gibt. Denn nur so kann man gemeinsam Veränderung gestalten. Und ich wünsche mir, die Bereitschaft, auch radikal zu denken: Muss eine Genossenschaftsbank, die aus der Idee entstanden ist, Kredite auch für ärmere Menschen zugänglich zu machen, immer nur Banking machen? Gibt es vielleicht heute auch – ergänzend – andere Themen, wo „Was einer nicht schafft, das schaffen viele“ notwendiger ist?
Wenn sich die Banken so aufstellen, ist die natürlich auch notwendige und sehr wichtige Entwicklung einer Digital-Strategie und sind die gesamten technischen Fragen lösbar.

Vielen Dank für das Interview!

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Von | 2017-12-07T14:07:38+00:00 7. Dezember 2017|Interview|0 Kommentare

About the Author:

Thomas Hochfeld

Online-Management bei der Volksbank Bühl ///
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Online-Marketing-Manager (IHK) +++
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