Die Unternehmenskultur hält eine große Bedeutung inne, wenn ein Unternehmen erfolgreich sein will. Doch viele kennen die Wertorientierung ihrer eigenen Mitarbeiter nicht und ihnen fällt es somit schwer, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Die Anforderungen an gewachsene Haltungen und Einstellungen wachsen stetig – vor allem der sich immer schneller ändernden Umweltbedingungen geschuldet. Und manchmal ist es dringend notwendig, Anpassungen vorzunehmen. Besonders Führungskräften kommt hier eine große Aufgabe zu.

Laut Gabler Wirtschaftslexikon ist Unternehmenskultur die „Grundgesamtheit gemeinsamer Werte, Normen und Einstellungen, welche die Entscheidungen, die Handlungen und das Verhalten der Organisationsmitglieder prägen.“

So gibt es eine Vielzahl an Definitionen und Sichtweisen in der Literatur zu finden. In meinem Studium lernte ich mehrere Modelle bzw. Typologien der Unternehmenskultur kennen. Darunter die Typologie von Deal und Kennedy, die Unternehmenskulturtypen nach Heinen, das Zwei-Ebenen-Modell von Hofstede und natürlich das Drei-Ebene-Modell des renommierten Organisationspsychologen Schein (siehe unten). Dieses ist zwar nicht erschöpfend, dient mir in diesem Beitrag jedoch zur einfachen Veranschaulichung der unterschiedlichen Ebenen der Unternehmenskultur und als kleiner Denkanstoß, um ein Gefühl für diesen Begriff zu entwickeln.

Schein definiert Unternehmenskultur als „ein Muster gemeinsamer Grundprämissen, das die Gruppe bei der Bewältigung ihrer Probleme externer Anpassung und interner Integration erlernt hat, das sich bewährt hat und somit als bindend gilt; und das daher an neue Mitglieder als rational und emotional korrekter Ansatz für den Umgang mit Problemen weitergegeben wird.“ Edgar H. Schein (1985) (Wikipedia)

Das Drei-Ebenen-Modell von Schein

https://de.wikipedia.org/wiki/Organisationskultur

  • Sichtbar, jedoch interpretationsbedürftig sind die Artefakte und beobachtbare Verhaltensweisen z.B. Umgangsformen, Auszeichnungen, Riten, Rituale, Statussymbole, Sprachregelungen
  • Teilweise sichtbar sind die Werte und Normen wie z.B. Denkmuster, Gebote, Verbote, Konfliktverhalten, Kooperationsverhalten etc.
  • Unsichtbar und oft unbewusst sind die Grundannahmen bzw. grundlegende Vorstellungen, die Menschen haben wie ihr Menschenbild, Lebenssinn, Grundannahmen zu Gesellschaft, Arbeit, Umwelt, Wahrheit, Glaube usw.

    (Vgl. Wagemann, K./Priebe, M.: 2012, S. 20f in Anlehnung an Schein, 1986, S. 14)

Und durch die Definition des niederländischen Organisationspsychologen Geert Hofstede
„The collective programming of the mind that distinguishes the members of one organization from another.”
(Homma, N./Bauschke, R.: 2015, S. 3 zitiert nach Hofstede und Hofstede 2005, S. 283) wird klar, dass Unternehmenskultur etwas Erlerntes ist.

Es gibt zusammengefasst unterschiedliche Elemente der Unternehmenskultur. Sichtbare und unbewusste Elemente, schriftliche (z.B. Unternehmensgeschichte und -leitbild) oder mündliche Elemente (Anekdoten und Akronyme) gelebte Kulturelemente (z.B. Führungsstil und Betriebsklima) oder personifizierte Elemente wie die Gründerpersönlichkeiten.
(Vgl. Wagemann, K./Priebe, M.: 2012)

Die Unternehmenskultur ist in ihrem Wirken sehr mächtig. Sie schafft den Orientierungsrahmen nach innen, lässt ein Image nach außen entstehen und steuert die Beziehungen zur Umwelt. Nach Innen erfüllt sie laut Sackmann vier wesentliche Funktionen. Sie dient sie zur Komplexitätsreduktion, koordiniert das Handeln, führt zu einer Identifikation mit dem Unternehmen und sorgt für Kontinuität (Unternehmenskultur beinhaltet z.B. eine kollektive Lerngeschichte). Gefährlich für Veränderungen wird es, wenn eingefahrene Routinen eine Anpassung verhindern oder Betriebsblindheit dazu führt, Veränderungen des Umfeldes nicht zu erkennen. (Vgl. Sackmann, S.A.: Erfolgsfaktor Unternehmenskultur. Wiesbaden 2004)

Ob Unternehmenskultur beeinflusst und gestaltet werden kann, wird in der Literatur unterschiedlich diskutiert. Einig ist man sich jedoch darüber, dass es unumgänglich ist, sie zu berücksichtigen. Für mich essentiell sind die Gedanken derjenigen Forscher wie Schein, die darlegen, dass Unternehmen lernfähig bleiben und die Bereitschaft haben müssen, sich anzupassen. (Vgl. Wagemann, K./Priebe, M.: 2012)

Lernende Unternehmen sind Unternehmen, die Veränderungen als normal akzeptieren sowie Lernmechanismen und höhere Lernintensitätsstufen vorweisen. Die Lernfähigkeit eines Unternehmens kann bewusst erhöht werden. Laut Senge sollte sich ein Unternehmen dabei an fünf Disziplinen orientieren (Wirtschaftslexikon24):

  • Entwicklung individueller Mitarbeiterreife
    Die Persönlichkeitsentwicklung einzelner Mitglieder eines Unternehmens führt zur Anhebung ihrer Fähigkeiten.
  • kontinuierliche Reflexion mentaler Modelle
    Entwicklung durch Sichtbarmachen und Besprechen expliziter und impliziter Grundannahmen
  • Schaffung gemeinsamer Visionen
    Verstehen der gemeinsamen Ziele und des Zwecks; Begreifen der eigenen Aufgabe zur Erreichung
  • Informationsaustausch und Lernen im Team
    Gemeinsames Verstehen in innerer Verbundenheit
  • Denken in Systemen
    Systeme ganzheitlich betrachten und Wirkmechanismen sowie zu erwartendes Verhalten darstellen. Typische Verhaltensmuster können erkannt und bearbeitet werden.

    (Uni Kassel zitiert nach Argyris, C./Schön, D.A.: Die lernende Organisation, 2 Auflage, Klett-Cotta)

Unternehmenskultur ist weder leicht abzugrenzen noch zu definieren, schon gar nicht in der Kürze eines solchen Blogbeitrages. Dieser soll lediglich Denkanstoß sein, dass es bei allen Veränderungsprozessen und Innovationen entscheidend ist, den Fokus auch auf die herrschende Unternehmenskultur zu legen und wie sie verändert werden kann. Denn diese kann Fluch und Segen zugleich sein und in vielen Herausforderungen, denen Unternehmen gegenüberstehen, eine zentrale Rolle spielen. Sie ist auf keinen Fall zu unterschätzen!

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Von | 2017-12-30T23:29:40+00:00 29. Dezember 2017|Allgemein|0 Kommentare

About the Author:

Anja Schindler
Online-Management bei der Volksbank Bühl /// Master of Arts, Fachrichtung Wirtschaftspsychologie

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