Smartphones sind in unserem Leben omnipräsent und beeinflussen unser Verhalten. Das setzen eines „Likes“ in Facebook, das Warten auf eine Antwort in einer Whatsapp Konversation, eine positive Reaktion auf das neue Urlaubsbild auf Instagram löst in unseren Körper die gleichen Vorgänge aus, wie die Umarmung eines geliebten Menschen oder für einen Raucher den Genuss einer Zigarette. Das Belohnungszentrum unseres Gehirns wird von dem sogenannten „Glücks- bzw. Belohnungshormon“ Dopamin geflutet und lässt uns nach immer mehr verlangen. Studien haben ergeben, dass wir dabei nicht mal mehr selber aktiv werden müssen. Schon das Klingeln des Handys, das Blinken der MitteilungsLED reicht schon, um den Dopaminausstoß zu bewirken. Wir sind mittlerweile so konditioniert, das wir selbst ohne Benachrichtigung die Displaysperre entriegeln und nach Neuigkeiten fahnden.

Es scheint, das viele Nutzer es aus eigener Kraft gar nicht mehr schaffen ihr Nutzungsverhalten zu ändern. Mit Apps die die Onlinezeit beschränken, Benachrichtigungen sperren oder den Newsfeed bei Facebook deaktivieren, werden Millionen verdient.  In sogenannten „Digital – Detoxcamps“ lernen Menschen wieder ein Leben im Offlinestatus…

Viele Fachleute sehen diese Entwicklung als gefährlich an. Es wird sogar von einer nahenden „digitalen Demenz“ gesprochen.

Sich grundsätzlich jeder Neuerung, jeder Innovation und jedem technischen Fortschritt zu verschließen, kann meiner Meinung nach nicht zielführend sein. Fortschritt hat durch die Jahrhunderte immer erst einmal Angst gemacht und galt als potentiell gefährlich.

 Douglas Adams prägte vor 20 Jahren folgende drei Regeln zu neuen Technologien:

  1. Alles, was es schon gab, als du geboren wurdest, ist ganz normal.
  2. Alles, was bis zu deinem 30. Lebensjahr erfunden wird, ist unglaublich aufregend und mit etwas Glück kannst du deine Karriere darauf aufbauen.
  3. Alles, was danach erfunden wird, widerspricht der natürlichen Ordnung und bedeutet das Ende der Zivilisation, wie wir sie kennen – bis sich nach etwa zehn Jahren allmählich herausstellt, dass es eigentlich doch ganz in Ordnung ist.

Frei nach Goethe „Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los.“ kämpfen viele Designer und Programmierer der großen Social-Media-Firmen selber mit den Auswirkungen ihrer eigenen Entwicklungen und bereuen sie mitunter sogar teilweise. Beispiele dafür sind Justin Rosenstein und Leah Perlman. Die Entwickler des Like-Buttons bei Facebook haben auf ihrem iPhone die Kindersicherung aktiviert bzw. nutzen eine Browsererweiterung, die den Newsfeed von Facebook blockiert.

Ein weiteres Beispiel ist Loren Brichter: Er gilt als Erfinder des Pull-to-Refresh-Prinzips. Er selbst sperrt seinen Zugang zu bestimmten Webseiten und blockiert Benachrichtigungen. The Guardian zitiert ihn mit den Worten: „Smartphones sind nützlich, aber sie machen abhängig. Pull-to-Refresh macht abhängig. Ich bereue die Schattenseiten.“

Tristan Harris, ehemaliger Design Ethiker bei Google und seine ins Leben gerufene Organisation „Time well spent“ sieht die Zukunft nicht in einer Technikverweigerung, sondern möchte eine „digitale Ökobewegung“ ins Leben rufen. „Wer Bio kauft, verzichtet nicht aufs Essen – aber er macht sich mehr Gedanken darüber.“

Ich frage mich also ganz provokativ: Sollten wir uns von unserem Smartphone trennen? Meiner Meinung nach müssen wir uns nicht zwischen alles oder nichts entscheiden. Vielmehr sehe ich die Notwendigkeit darin, die fortschrittliche Technologie bewusst zu nutzen! Dabei sehe ich das Ganze so wie Golden Krishna, ehemaliger Mitarbeiter des InnovationLabs bei Samsung, der das Ideal folgendermaßen treffend formulierte: „Computer sollten die Dinge lösen, die sie automatisch lösen können. Technologie sollte um dich herum arbeiten und dir Dinge vom Leib halten. Statt ständig mit Mitteilungen bombardiert zu werden, würde das System wissen, ob wir gerade gestört werden wollen. Statt einer Fernbedienung für den Frühstückskaffee, würde ein Computer das Getränk automatisch zur Aufstehzeit brauen!“

Genau diesen Kontext wünsche ich mir für mein mobiles Banking. Von komplexen Dingen wie auf mich zugeschnittene Angebote, wichtige Hinweise meiner Bank für meine jetzige und zukunftsnahe Lebensphase, bis hin zu einfachen Dingen wie beispielsweise einer sprachgesteuerten Änderung meines Onlineüberweisungslimits, ein optisch ansprechendes Haushaltsbuch auf dem Dashboard ohne taggen der Umsätze oder ein zumindest bundesweit akzeptiertes und genutztes P2P-Verfahren und das alles abgerundet mit einem smarten Chatbot. Und bitte alles in einer App meiner Hausbank, natürlich unter höchsten Sicherheitsanforderungen 😉.

 

Quellen:
http://www.zeit.de/campus/2017/05/digital-detox-camp-internet-konsum
süddeutsche
wired
humanetech
ted
the guardian
FAZ
technologiereview
j. w.goethe

Shares
Von | 2018-04-12T16:05:56+00:00 6. April 2018|Allgemein|0 Kommentare

About the Author:

Thorsten Schumann

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Shares